Der Liebesvernichter

Die Figur des Don Quijote in dem bekannten Roman von Cervantes hat viele Züge eines ödipalen Helden. Beide kämpfen sie gegen Windmühlen an, weil sie ausserhalb der Realität leben, in der Welt ödipaler Fantasien, wo es immer um einen guten und grossen Helden geht, der sich an der bösen und kleinen Welt rächt.

Was sie darüber hinaus gemeinsam haben ist, dass sie Probleme sehen, wo keine sind, dass sie sich konstant einmischen in die Angelegenheiten anderer Menschen oder, wenn sie Staaten sind, in die Angelegenheiten anderer Staaten.

Das bringt mich dazu, die tragische Mixtur von Narzissmus mit einer ödipalen Fixierung einmal genauer zu betrachten. Die Autorinnen von The Mythic Journey sprechen über die ‘Tragödie narzisstischer Liebe.’

Jedoch müssen wir einen Schritt weitergehen, um den Narzissmus des ödipalen Helden zu verstehen, denn er ist seiner Ödipalität gewissermassen aufgepfropft, und das ist genau der Grund für die abgründige Destruktivität dieser Männer. Wo immer sie Liebe antreffen, in ihren eigenen Leben oder im Leben anderer, sind sie darauf aus, diese Liebe mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu zerstören.

Liz Greene und Julia Sharman-Burke schreiben: ‘Dieser traurige Mythos vom alten Griechenland spricht von Passion und Zurückweisung, und zeigt uns, wie Auge-für-Auge und Rachedenken, weit davon, irgendeine Lösung zu bringen, alles nur schlimmer machen. Wichtiger noch, dies impliziert, dass wenn wir uns selbst nicht kennen, wir unser Leben vielleicht damit verbringen, diesem Wissen durch Obsessionen nachzujagen — was darauf hinausläuft, dass wir anderen keine Liebe geben können.’ (Id., 124)

Narzissmus ist nicht das, was die meisten Menschen sich unter dem Begriff vorstellen. Es ist nicht Eigenliebe, sondern das genaue Gegenteil davon.

Narziss war taub gegenüber den Worten der Nymphe Echo, nicht weil er sich zu viel liebte, sondern weil er obsediert war mit sich selbst. Selbstabsorption ist nicht Selbstliebe, sondern eine Kompensation für das innere Vakuum, die innere Leere, welche die Folge des Mangels an Selbstkenntnis ist, und auch die Folge des Mangels einer natürlichen Spiritualität.

Es ist Seelenverlust. Wir können andere nicht lieben, wenn wir seelenlos sind und bedeutungslose Leben leben, wenn wir keine spirituelle Orientierung haben, und wenn wir nicht wissen, wer wir eigentlich sind.

Narzissten und solche, die die doppelte Pathologie einer narzisstischen und ödipalen Fixierung besitzen, und die ich ödipale Helden nenne, verstehen viele Dinge unter dem Wort Liebe. Sie verstehen zum Beispiel, dass es eine Situation ist, wo man andere ausnutzen kann, wo man andere übervorteilen kann, wo man in einsamen Momenten Trost findet, wo man eine Frau hat, die einem Kinder gebärt — welches also ein utilitaristisches Konzept von Liebe ist.

Sie mögen andere Konzepte von Liebe kennen, aber sie gelangen selten oder nie zu der Einsicht, dass all das nicht Liebe ist, sondern konzeptuelle Formen, die man errichtet hat für etwas, von dem man nicht die geringste Ahnung hat. Es sind die sprichwörtlichen Finger, die zum Mond zeigen, aber nicht der Mond selbst, wie es die Zen-Weisheit ausdrückt. Es sind Landkarten, aber nicht das Territorium.

Wenn Narzissten sagen, sie liebten jemand, so implizieren sie damit emotionale und sexuelle und oft auch materielle Erfüllung und Befriedigung. ‘Ich habe eine Frau und zwei Kinder. Ich habe eine Familie. Ich habe ein Heim. Ich habe gute Gesellschaft. Ich habe Sicherheit. Ich habe.’

Der ödipale Held ist ganz und gar auf der Seite dessen, was Erich Fromm das ‘Haben’ nennt und sehr wenig auf der Seite des ‘Seins.’ Er glaubt, dass ‘Sein’ etwas ist für Künstler, Kinder und Lebensberater. Für ihn muss alles einen Grund haben. Und wenn es keinen hat, dann wird er der Sache oder der Empfindung einen Grund geben. Der Scheinheld badet förmlich in Konzepten; die Idee, dass man Realität eigentlich nur dann direkt wahrnehmen kann, wenn man sich von allen Konzepten frei gemacht hat, ist ihm fremd.

Ich habe den Beweis für alles, was ich hier sage, oftmals gehabt in meinem Leben, in meinen Beziehungen mit ödipalen Helden, welche die meiste Zeit für ein soziales Ideal kämpfen, und die aggressiv und polemisch gegen Alkohol, Rauchen und jede Art von bewusstseinsalterierenden Drogen eingestellt sind.

Diese Männer leiden in fast allen Fällen unter ständigen Depressionen, und erfahren wiederholt Rückschläge in Beziehungen, und viele unter ihnen klagen auch über schwer zu kontrollierende sexuelle Obsessionen. Wenn ich ihnen vorschlage, einmal ruhig zu werden und kontemplativ, und einmal über den Zaun ihres endlosen Aktivismus zu schauen, und also auf eine Entdeckungsreise zu gehen, entweder durch Meditation oder Kontemplation, oder aber durch die Einnahme von Ayahuasca, bekomme ich die Antwort, die Person sei ‘gegen Esoterik,’ ‘gegen New Age Rummel,’ ‘gegen Drogenmissbrauch’ oder ‘gegen Tagträumertum’ eingestellt.

Auffallend in ihrer Diktion ist, dass sie an jeden Begriff einen –ismus anhängen. Einer schrieb über mein Glossar, er finde es gut, aber er könne meinen ‘Mystizismus und Spiritualismus’ nur schwer begreifen. Als ich ihn darauf hinwies, wie sehr doch seine Beziehungen jeder Liebe ermangelten, meinte er, er habe keinen Sinn für soviel Lovismus.

Und in darauffolgenden Emails zählte er mir dann alle möglichen Gründe dafür auf, dass es Liebe in dieser Welt nicht geben könne, und niemals in der menschlichen Rasse bestanden hätte, weil Liebe eben ein religiöses oder intellektuelles Konzept sei, nicht aber etwas Reales.

Was ödipale Helden suchen, ist natürlich Liebe, Freundschaft und Verständnis. Der Hauptgrund ist psychologisch jedoch, dass sie ihre innere Leere mit den Lebensgeschichten anderer Menschen füllen wollen, anstatt ihre eigene Geschichte erst einmal zu verstehen und zu verdauen.

Aber das ist eben wiederum typisch für sie, zu schnellen Schlüssen zu gelangen, ohne Dinge in sich selbst reifen zu lassen und damit ihre Seele zu bereichern. Für sie geht es nicht darum, Erfahrungen wirklich zu integrieren, es geht ihnen darum, Erfahrungen zu akkumulieren, weil sie quantitativ denken, nicht qualitativ.

Der Grund ist oft, dass sie unter Boomeritis leiden. Sie übernehmen unkritisch alles, was sie modisch finden, sogar wenn es etwas ist, was anstössig ist, wenn sie sich nur damit identifizieren können für eine gewisse Zeit.

Das hilft ihnen über die innere Leere hinweg, und es gibt ihnen allen Grund, anderen die Ohren voll blasen zu können. Und da es heute eben Mode ist, Pädophilie zu verdammen, so haben sie sich in die ersten Ränge der Verdammer eingeräumt. Für sie ist Kindliebe eine Perversion und sie fragen nicht, was Männer oder Frauen zu sagen haben, die sexuell von Kindern angezogen sind.

Für sie gibt es hier, wie in allem, eine einfache und klare Lösung. Sie befürworten Euthanasie oder eine andere grausame ‘Endlösung.’

Sie haben natürlich keine Ahnung, was die Ätiologie der Pädophilie ist und sie wollen auch nichts davon wissen. Es geht ihnen darum, die Dinge einfach und quadratisch anzupacken, als ob man die Welt, Menschen und Liebe mit simplen Konzepten verstehen könne.

Sie fragen gar nicht einmal; es liegt in ihrer Natur, schnelle Antworten zu haben für Dinge, von denen sie in Wahrheit keine Ahnung haben.

Was die Ätiologie der Pädophilie angeht, und was spezifisch pädophile Anziehung ist, und was sie nicht ist, darüber habe ich in anderen Publikationen geschrieben. Wenn jemand nur ein einziges Mal oder nur über eine kurze Zeit sexuelle Anziehung für ein Kind empfand, so bedeutet das keinesfalls, dass die Person pädophil ist, und noch weniger, dass sie ‘ein Pädophiler’ oder ‘eine Pädophile’ ist.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig klarzustellen, dass es einen definitiven und umgrenzten Persönlichkeitstypus des Pädophilen nicht gibt, auch wenn das in der Presse oft behauptet wird. Es gibt nur pädophile Menschen, und sie sind alle anders, und jeder hat sein eigenes individuelles psychisches Mosaik, so wie das bei jedem Heterosexuellen oder Homosexuellen der Fall ist.

Die Idee vom pädophilen Raubtäter ist eine der typischen dumm-aggressiven Polemiken der Massenmedien und als solche für den Forscher wertlos, denn alle Untersuchungen sprechen gegen diese Annahme.

Diese Polemik der Presse ist gefährlich und verantwortungslos, denn sie kann zu neuen Euthanasiegesetzen führen, weswegen Lügenpropaganda gesetzlich verboten werden sollte! Sie ist sowohl verfassungswidrig, als auch strafrechtlich gesehen eine Variante von Rufmord und Verleumdung, wenn sie sich gegen spezifisch identifizierbare Personen richtet.

Meine Forschung hat klar ergeben, dass wir alle Pädoemotionen haben, welches bedeutet, dass wir intensive Liebesgefühle Kindern gegenüber haben — vorausgesetzt, wir sind weder neurotisch, noch sadistisch, noch auch narzisstisch-ödipal fixiert.

Während also Pädoemotionen universal sind, so ist die Besonderheit doch, dass bei Pädophilen diese emotionale Anziehung zum Kinde sich in gewisser Weise sexualisiert hat; manchmal, nicht jedoch im Regelfall, kann diese Fixierung gar so weit gehen, dass der Mann oder die Frau nur noch mit Kindern Partnerbeziehungen unterhalten möchte.

Als Folge davon ist sowohl ihr intellektueller Fokus, wie auch ihre emotionale, als auch ihre sexuelle Energie auf Kinder ausgerichtet, und dies ist wahrhaft ein interessantes Phänomen.

Wichtig in dem Zusammenhang ist zu verstehen, dass solche Anziehung niemals generell ist, sondern immer spezifisch. Die Anziehung richtet sich in aller Regel nicht auf ‘das Kind’ als solches, sondern auf eine bestimmte, wohl umgrenzte Altersgruppe von Kindern, Jungen oder Mädchen, sozusagen als Ausgangsposition.

Dann, wenn ein solcher Erwachsener sich in ein bestimmtes Kind verliebt, so ist dies ganz genauso individuell und ausserhalb rationaler Kategorien, wie das der Fall ist, wenn ein Mann sich in eine Frau verliebt, oder eine Frau in einen Mann. Es ist ganz genau derselbe Vorgang.

Da diese Fakten heute nur wenigen Forschern bekannt sind, ist es für ödipale Helden ein Genuss und ein Zeitvertreib, über Pädophile herzuziehen in der Öffentlichkeit, um solchermassen ihre Projektionen los zu werden. Dieselben Projektionen sind natürlich am Werk, wenn es um ihre eigenen pädophilen Neigungen geht, weswegen sie sich gern ein ‘Schutzschild’ anlegen würden in Form einer ‘festen Freundin.’ Nur leider sind sie zu feige, irgendeiner jungen Frau den Hof zu machen.

Interessanterweise hat Freud, der gewiss genügend Material zum Studium hatte, behauptet, Pädophile seien einfach zu feige, sich einer Frau zu nähern.

Er war in der Hinsicht natürlich voreingenommen wenn nicht intellektuell beschränkt, denn er sah nicht, dass ödipale Helden keine realisierten Pädophilen sind, sondern sich gerade dadurch von Pädophilen unterscheiden, dass sie weder emotional, noch intellektuell in der Lage sind, ihre sexualisierten Pädoemotionen zu integrieren und zu verstehen. Ihre Feigheit ist also ein Teil ihrer mangelnden psychischen Integration und ihrer Fragmentierung, wohingegen beim bewussten Pädophilen dieser Integrationsprozess eben stattgefunden hat.

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