Der ödipale Held

Es mag vielleicht noch nicht ganz einleuchten, was ein ödipaler Held eigentlich ist, so werde ich hier die Charakteristiken eines Mannes oder einer Frau, die Scheinhelden sind, näher ausführen.

Terminologisch gesehen müsste man den weiblichen Scheinhelden, im Einklang mit dem Freudschen Vokabular, eigentlich Elektra-Heldin nennen, aber um die Dinge zu vereinfachen, werde ich hier nur die männliche Variante untersuchen und überlasse es einer Frau, einmal die andere Hälfte der Geschichte psychoanalytisch zu erfassen.

Ich argumentiere mit dem I Ging, dass Zurückhaltung eher eine Tugend als ein Laster ist, wenn es um Wissen geht. Ehrlich gesagt fehlt es mir am emotionalen Wissen, um den anderen Teil zu schreiben, vor allem wenn es um unsere heissen sexuellen Strömungen geht; als Mann kann ich nur spekulieren, wie ein kleines Mädchen wohl die Liebe für ihren Vater erfährt, und hier findet Wissenschaft ihre natürliche Limitierung.

Wissenschaft ist nicht objektiv und wird es nie sein, und ein Mann, der das sexuelle Universum der Frau untersucht, wird niemals ein wirklicher Wissenschaftler sein. Darum limitiere ich diese Untersuchung ganz bewusst und beschränke sie auf die männliche Variante unseres ödipalen Helden.

Hiermit gebe ich zum Ausdruck, dass ich überzeugt bin, dass es die weibliche Variante gibt, und lade daher weibliche Autoren ein, die andere Hälfte des Mondes dementsprechend zu eruieren.

Und es gibt noch einen anderen Grund für meine Vorsicht hier. Die Mutter-Sohn Beziehung kann kaum mit der Vater-Tochter Beziehung verglichen werden, denn die männliche Psyche ist fragiler als die weibliche, weswegen Mutter-Sohn Kodependenz weitaus devastierendere Folgen hat für das gesunde psychosexuelle Wachstum des Jungen, als Vater-Tochter Kodependenz für das psychosexuelle Wachstum des Mädchens.

Dies wird von den meisten Psychologen, Psychiatern und Psychoanalytikern heute anerkannt; diese Einsicht ist auch ein Bestandteil von zeitlosem Wissen und es ist keine sexistische Betrachtungsweise. Die beiden Geschlechter sind ungleich strukturiert auf der psychischen Ebene, eine Tatsache, die man vor allem in Zeiten von Krieg oder Bürgerkrieg, oder auch von Naturkatastrophen beobachten kann. Frauen haben sich in solchen Krisenzeiten immer als psychisch robuster erwiesen als Männer.

Allgemein muss man feststellen, dass Frauen statistisch gesehen länger leben, dass die Herzinfarktrate geringer ist bei ihnen als bei Männern, dass sie weniger als Männer unter chronischer Ermüdung und Depression leiden, und dass sie sowohl im Privatleben als auch am Arbeitsplatz besser imstande sind als Männer, mit Stress umzugehen und unter Stress immer noch Leistung zu erbringen.

Natürlich bestätigen Ausnahmen hier, wie überall, die Regel. Ich denke, die Charakterisierung des ödipalen Helden rein theoretisch und deduktiv abzuhandeln, würde uns in eine Sackgasse leiten. Stattdessen möchte ich das Problem mithilfe von Lehrfabeln und Geschichten aus dem Alltag aufzeigen. Da ich niemandem zu nahe treten möchte, habe ich die Identität der Personen so unkenntlich gemacht als nur irgend möglich! Mag der Leser Beispiele aus seiner Erfahrung oder aus dem öffentlichen Leben finden, die Ähnlichkeiten aufweisen.

Um es zu wiederholen, so ist die Hauptcharakteristik des ödipalen Helden sein Mangel an Selbsterkenntnis. Er kennt sein wahres Selbst nicht, besitzt eine schwache Identität, und weiss so gut als nichts über seine Ursprünge; er hat ein Weltbild erschaffen, das ein Torso ist, weil im wahrsten Sinne des Wortes Hand und Fuss fehlen.

So hat er aus seiner Lebensphilosophie all das ausgelassen, was seine wahre Identität verraten könnte; er weist Astrologie ab, wie jede andere Art der Divination, aber auch alles weniger esoterisches Wissen, das ihm Auskunft über sich selbst geben könnte. Mit einem Wort, er ist gegen Wahrheit, wirkliches Wissen, Intuition, und bastelt sich eine Wissenschaft zurecht, die ihm die Halbwahrheiten liefert, die ihn in seiner armseligen spirituellen Ignoranz bestätigen.

So wie Ödipus in keiner Weise kontemplierte über sein Schicksal, als er das Orakel empfing, so zieht der ödipale Held hinaus in die Welt, um sie vom Bösen zu befreien, und hier ist es, wo sein Scheinheldentum beginnt. So wie Ödipus nicht überhaupt nur erwog, nach Korinth zurückzukehren, um mehr zu erfahren über seine Ursprünge, so bringt der ödipale Held, metaphorisch gesprochen, seinen Vater um, indem er seinen Ursprung und sein Karma verleugnet. Und damit betrügt er sich selbst, und seine biologischen, spirituellen und genetischen Wurzeln.

Er räsoniert, er habe ‘nie einen Vater’ gehabt, er sei in einem ‘ausschliesslich weiblichen’ Milieu aufgewachsen, er habe ‘nichts gemeinsam’ mit seinem Vater, da sein Vater in seinen Worten eine ‘verlorene Seele’ war, ‘ein Trinker,’ oder ein ‘sozialer Freak,’ ‘hoffnungsloser Philosoph,’ ‘ewiger Student,’ ‘Penner’, ‘heimlicher Homosexueller,’ ‘versteckter Pädophiler’ oder einfach jemand war ‘der niemals hätte heiraten und ein Kind zeugen’ sollen.

All diese Variationen des Themas ‘Vater’ quellen in Gesprächen oder in Korrespondenz mit ödipalen Helden auf, und sie klingen eher wie Monologe, die eine Maschine ausspuckt.

Das ist die typische Art, wie Narzissten reden. Sie reden nicht ‘mit’ anderen, sondern ‘an andere hin,’ sie korrespondieren nicht ‘mit’ einer anderen Person, sondern masturbieren Gedanken auf ein Blatt oder in eine Email, die sie dann in die Welt ejakulieren.

Wahrer Dialog mit anderen ist ihnen unbekannt. Sie predigen. Sie erbrechen Sprache. Ihre Monologe sind mechanisch, leblos, stereotyp, ohne Auf und Ab, ohne Hoch und Tief, monoton, wie von einer Computerstimme gesprochen.

Unter ihnen befinden sich viele, die mit Autorität anecken, oder mit dem Gesetz in Konflikt geraten, mit den Regeln, die für sie unsichtbar sind, und ganz logischerweise so, denn sie leben nicht in der Gesellschaft. Sie leben auf ihrem eigenen Stern.

Unter ihnen sind auch viele Esoteriker und spirituelle Sucher. Die letztere Gruppe ist besonders interessant, weil sie, indem sie ihren Vater verleugnen, sie eigentlich das Leben selbst verleugnen, den Saft des Lebens sozusagen, Lust, Gefühle, Emotionen, spontanes Sich-Verlieben, Sex. All das ruft auf ihren blassen, leblosen, maskenhaften Gesichtern nur Stirnrunzeln hervor, oder ein herablassendes Lächeln, das besagt: ‘Das kann mir doch nicht passieren!’

Sie haben reiche Lebenserfahrung durch ein armseliges dogmatisches, totes System von fundamentalistischen Glaubenssätzen ersetzt!

Hier haben wir die sozial Behinderten, die Heimsitzer und Misanthropen, die Bombenleger, ob sie sich nun selbst als Terroristen ansehen oder nicht, hier haben wir die Diktatoren und Tyrannen, die projektiv die Welt bestrafen, um ihre Väter zu strafen. Und hier haben wir auch die Kinderschänder, die kleinen Mädchen oder Jungen durch Prügel, Kniffe und schmerzhafte Vergewaltigung zeigen wollen, ‘wo’s langs geht’ und wie man sich ‘anständig benimmt.’

Mädchen oder Jungen werden bestraft, weil sie nicht ‘nett genug’ sind zu einem, obwohl hier natürlich die unbeantwortete Frage an den Vater mitschwingt, die man nie äusserte: ‘Bin ich denn nicht liebenswert?’

Und schliesslich und endlich haben wir hier die sozialen Utopisten und Aktivisten für jedwede ‘gute Sache,’ die der Welt zeigen wollen, was ‘wirkliche Liebe und Aufopferung’ ist.

Alle sind sie ödipale Helden, nur dass unsere Gesellschaft in ihrer tiefgründigen Mystik die letzte Version des Scheinhelden in Ordnung findet, und die anderen nicht in Ordnung. Da die Gesellschaft sich der Gleichheit des Gleichen nicht bewusst ist, stellt sie den positiven Typus auf den Altar und betet ihn an, während sie die anderen auf die Müllhalden wirft, die man Gefängnisse und Irrenhäuser nennt.

Die Gesellschaft mag in gewisser Weise ahnen, dass beide Typen von Charakteren eine harte Kindheit hatten, aber die abstruse Moralität unserer Kultur beurteilt als stark und gut ein Verhalten, das die tiefe Verwundung, die viele von uns als Kind erfuhren, einfach wegleugnet; damit verkennt sie die psychologische Tatsache, dass es gerade die Anerkennung und Akzeptanz der Verwundung menschliche Reife und oblative Beziehungen ermöglicht.

Um dahin zu gelangen, muss man sich verbinden mit der Verwundung, ganz tief innen im Herzen, weil dann die ursprüngliche Demütigung kathartisch wirkt und dazu beiträgt, dass die Person ihr Herz anderen öffnet und also zum Mitgefühl fähig wird.

Unsere Kultur übersieht vollkommen, dass beide Typen von ödipalen Helden andere Menschen verwunden, mit dem Unterschied nur, dass der Psychopath, der Schizophrene oder der Terrorist es offen tun, sozusagen ehrlicherweise, und der Scheinheld, der soziale Aktivist, der zum Verfolger, Vigilante, Fundamentalist, Weltpuritanist, Moralpolizist und Geheimagent wurde, es in einer versteckten und projektiven Weise tut.

Er schlachtet Menschen ab, die er als ‘Unmenschen’ stempelt, und er tut dies im Namen der ‘guten Sache,’ ohne sich bewusst zu sein, dass die Kirche in ihren Kreuzzügen das gleiche mit Heidenvölkern tat, die sie rücksichtslos niedermachte, weil sie ihnen die Seele absprach, und dass Hitler das mit Millionen von Juden tat, die er als ‘unreine Rasse’ denunzierte.

Und so ist der ödipale Held denn, im Extremfall, ein Völkermörder, im Alltag ein Denunziant, und im Bett ein Sadist.

Geistig gesunde Menschen haben kein Verlangen, irgendjemanden zu ‘retten.’ Sie haben kein Interesse, Kriegszüge zu führen gegen Prostitution, Kindesmissbrauch, die Rechte der Frau, oder was auch immer. Sie akzeptieren die Welt, weil sie sich selbst akzeptieren. Und sie akzeptieren sich selbst, weil sie ihre Ursprünge kennen und akzeptiert haben, ihren Vater, und ihr Karma.

Die wichtigste Charakteristik des ödipalen Helden, und ganz im Gegensatz zum wahren Helden, ist also, dass er das, was er tut, unbewusst tut, und ohne zu wissen, warum er es tut. Er glaubt, dass er anderen und der Welt Gutes tut, wobei er sich eines mechanistischen Schemas von Gut-und-Böse bedient, das er in seiner Zeit als ‘Mutters guter Junge’ internalisiert hat.

Das Resultat ist, dass sein Verhaltenskodex in Granit gemeisselt erscheint, und sein Denken von Schwarz-Weiss-Urteilen bestimmt ist. Er sieht die Welt aufgespaltet in die ‘Guten’ und die ‘Schlechten,’ wie in einem Western, und seine politischen Ansichten folgen diesem Schema.

Die tiefere psychologische Erklärung, warum der ödipale Held so oft simplistisch, hart, trocken, entschieden und anklagend ist gegenüber der Welt und menschlichem Handeln ist, dass er sich innerlich verteidigen muss gegenüber der Einsicht, dass das Leben unendlich viel komplexer ist, als die Scheinwahrheiten es sind, die er vertritt.

Diese Intuitionen, die er dann und wann bekommt von seiner inneren Stimme, muss er stark verdrängen, denn er spürt dass, wenn er sie zuliesse, er ziemlich von selbst auf den Pfad der Selbsterkenntnis gelangen würde, und dass er dann nach und nach die Wahrheit über sich selbst erfahren würde, und damit auch die Wahrheit über sein Karma.

Das ist der Grund, warum er alles und jedes kurz und klar beantwortet, und es vorzieht, jede Kritik gleich im Ansatz niederzubrüllen, wie Hitler es in seinen Reden gewissermassen prototypisch darstellt. Täte er das nicht, könnte er sein Netz von Lebenslügen nicht aufrechterhalten.

Das Universum leitet uns immer dahin, Selbstkenntnis zu erlangen, und man muss schon extrem hart und verschlossen sein, verurteilend und projektiv in seinem Gesamtverhalten, um diesen natürlichen Durst nach Selbstkenntnis im Keime zu ersticken.

Das bedeutet, funktional gesprochen, dass die Person Bioenergie in die Aufrechterhaltung der defensiven Charakterstruktur investieren muss, denn sonst würde diese aus Gründen natürlicher Entropie zerfallen.

Hier sind wir denn am Ursprung der Ätiologie der Neurose angelangt, wie Freud und andere sie beschrieben haben. Alles fängt an mit einer Verleugnung von Lust, der Lust nach Wissen, welche alle Formen des Lebendigen durchdringt, und es ist diese Verleugnung von Wissen, warum der ödipale Held fanatisch gegen Sex eingestellt ist — denn Sex bringt Wissen.

Während Masturbation Unwissen bringt.

Nur Geschlechtsverkehr bringt dieses direkte und nicht-intellektuelle Wissen; es ist sehr bezeichnend, dass man dieses Wort auch für ‘sozialen Verkehr’ gebraucht. Diese Wahrheit ist zudem sehr schön in der Bibel ausgedrückt, wo Geschlechtsverkehr gemeinhin mit ‘fleischlichem Wissen’ bezeichnet wird oder damit, dass ein Mann eine Frau oder seine Frau oder Freundin aufsucht, um sie ‘zu erkennen.’

Es wird oft argumentiert, dass das hebräische Verbot der Masturbation darin begründet ist, dass Männer dazu ermutigt werden, prokreativ tätig zu sein, wenn sie sexuell tätig sind, aber in diesem Verbot mag auch ein Gebot enthalten sein, das Gebot nämlich, Geschlechtsverkehr im Sinne von sozialem Verkehr zu suchen, sich also sexuell zu ‘sozialisieren,’ statt sich zu Hause in schnöder Einsamkeit die Därme aus dem Leib zu masturbieren.

Der wahre Grund, warum im Altertum freie Sexualität den Sklaven vorenthalten war, ist ganz einfach der, dass Sexualität Wissen bringt, Identität, und Autonomie. Wie ich bereits ausgeführt habe, war Knabenliebe im Altertum der Adelsschicht vorbehalten und für Sklaven verboten. Einen Sklaven, der sich an Knaben vergriff, hätte man hinter Gitter gebracht.

Ein anderes gutes Beispiel ist die christliche Kirche. Jede Art der Sexualität ausserhalb von Ehe und Fortpflanzung als Häresie zu verdammen, war ein starker Stützpfeiler des kirchlichen Dogmatismus und der damit verbundenen Ideologie der Repression und der sozialen Kontrolle.

Die Kirche hat dieses Tabu aufrechterhalten durch drakonische Strafen, Drohung, Verfolgung, Tortur und geplanten Mord und Völkermord, durch die Inquisition. Das Resultat war, dass die Völker in Europa total ignorant blieben über Jahrhunderte hin, auch zum Beispiel in der Wissenschaft, während die arabischen Völker zu der Zeit eine Blüte von Freiheit, Wissenschaft und Kultur erlebten, da der Islam in dieser Frage ganz anders denkt.

Diese Wissensunterdrückung der Kirche ist denn auch der Grund, warum wir heute so gut wie nichts wissen über natürliche Empfängnisverhütung, während vor dem Holocaust der Inquisition in Europa dieses Wissen frei erhältlich war von Hebammen, Alchimisten und Naturheilern.

— Siehe, zum Beispiel, Riane Eisler, Sacred Pleasure (1996), mit weiteren Hinweisen).

Die Herrschaft der Kirche wurde abgelöst vom modernen Polizeistaat mit der strukturellen Gewalt des Industriestaates und der Konzerne.

Von daher hat das neuzeitliche Tabu der Partnersexualität des Kindes die gleichen ideologischen Gründe. Es stellt sicher, dass das Kind nicht durch frühe Sexualität ‘erwacht’ und so lange als möglich ignorant bleibt, und seine Identität so schwach als möglich bleibt — denn genau das ist die Persönlichkeitsstruktur, die die Konsumkultur benötigt, um zu funktionieren.

Die gegenwärtige Dominanz multinationaler Konzerne über die Körper und den Geist der Menschen im Staate könnte nicht aufrechterhalten werden, wenn es Kindern erlaubt wäre, über ihre Körper frei zu verfügen, und von Kindesbeinen an Lust und Ekstase in ihren Leben zu erfahren, weil sie damit eine starke persönliche Identität bilden würden.

Und an diesem Punkt nun sollten wir eigentlich verstehen, warum der ödipale Held zeit seines Lebens ein Masturbator bleibt, und zwar sowohl wörtlich, als auch metaphorisch, indem er sich selbst gegen sich selbst reibt — und hierbei den warmen Kontakt mit anderen vermeidet.

Die letztere Charakteristik ist Teil seines selbst-einschliessenden Narzissmus, und ist ganz offensichtlich eine Folge seiner ödipalen Fixierung.

Der ödipale Held ist ein brillanter Masturbator auch vor anderen, wenn es darum geht, Reden zu halten, in welchen er sein Gift in die Lager seiner bevorzugten Sündenbock-Gruppen spritzen kann.

Die andere Hauptcharakteristik des ödipalen Helden ist, dass er, obwohl er sich dessen nicht bewusst ist, ein unterdrückter Pädophiler ist. Er hat seine pädophilen Neigungen stark unterdrückt und verurteilt sie, zu einem Punkt, dass er das Schlüsselereignis in seiner Jugend, als solche Neigungen zum ersten Male in sein Bewusstsein traten, völlig verdrängt hat.

Statt sich selbst zu fragen, warum er Kinder liebt, und auch wegen seiner Angst und Schuldgefühle, schliesst er die Tür zu seiner inneren Welt und distanziert sich von dem juckenden Verlangen nach Nähe mit Kindern. Dies ist es, warum er als Folge von bioenergetischer Regression dann zum Pädophilenhasser, Verfolger und Vigilante wird.

Der Pädophile unterscheidet sich vom ödipalen Helden dadurch, dass er sein Verlangen für emotionale und sexuelle Umarmung von Kindern bewusst erlebt, und dass er es jedenfalls mehr oder weniger akzeptiert. Es gibt natürlich unter den Pädophilen solche, die diese Liebeswahl nicht wirklich akzeptiert haben, die diese Option in ihrem Sexualleben nicht wirklich bewusst getroffen haben, und die als Folge davon ihr Schicksal verfluchen, zu einer der meistgehassten sexuellen Minderheiten in der Welt zu gehören.

Diese halbgebackenen Pädophilen sind dann, eigentlich logischerweise, oft auch halbgebackene ödipale Heroen. Ich habe eine Anzahl von diesen Exemplaren gekannt und sah sie immer sehr involviert mit humanitären Organisationen, die sich um arme oder kranke Kinder, oder Waisenkinder bemühen. Aber sie haben aus ihrer Anziehung für Kinder die erotische Komponente so gründlich ausgejätet, dass sie zu Vipern wurden; es genügt, dass sie das kleinste verdächtige Signal in ihrer Umgebung detektieren, dass ein Erwachsener ein Kind auch nur ‘falsch berührt’ und sie werden zuschlagen und denunzieren.

Alle ödipalen Helden, ganz oder halb gebacken, haben gemeinsam, dass sie der Welt und sich selbst beweisen müssen, wie stark, gut, rechtschaffen, mutig, hart und entschlossen sie sind, und sie betonen bei jeder Gelegenheit, dass sie das, was sie tun, nicht aus Eigennutz tun, sondern ‘für die gute Sache,’ um dabei mitzuwirken ‘die Welt zu verändern,’ oder ‘um einen signifikanten Beitrag zu leisten.’ Es läuft ganz auf das simplistische Schema hinaus, dass Eigennutz schlecht und Altruismus gut ist, dass Egoismus besiegt werden muss durch Altruismus, dass das Ego dem aber im Wege steht, und so fort. Es ist das Vokabular des spirituellen Zirkus fundamentalistischer Religionen, das wir jeden Tag aus unseren Medien dröhnen hören.

Sie haben dieser Rhetorik sozusagen eine persönliche Note gegeben, um ihren Mordgeist und ihrer Lust, andere zu verwunden, zu rechtfertigen; wie der Pavian sitzen sie mit erigiertem Phallus der Gruppe vor, um die ‘bösen Jungen’ durch schmerzvolle anale Vergewaltigung zu strafen — zumindest in ihren Phantasmen. Die meisten werden es im Rahmen legaler Strafverfolgung tun, aber einige tun es mit ihren Körpern, wenn sie zum Beispiel einen Pädophilen im Gefängnis ausmachen und dieser sich nicht wehren kann, weil sie in der Überzahl sind oder die Wärter die Augen schliessen und es zulassen.

— See Edward Brongersma, Aggression against Pedophiles, 7 International Journal of Law & Psychiatry 82 (1984). See also A.M. Scarro, Jr. (Ed.), Male Rape (1982) und A.J. Davis, Sexual Assaults in the Philadelphia Prison System and Sheriff’s Van, Trans-Action 6, 2, 8–16 (1968).

In ihren sexuellen Fantasien, und weil sie einen Grossteil ihrer Genitalität verdrängt haben, haben sie, um es psychoanalytisch zu formulieren, eine Regression in Analität durchgemacht, welches der Grund ist, warum man diese Zeitgenossen eigentlich nicht gerne um sich hat, denn sie sind immer auf der Lauer, immer aggressiv und kampfbereit, und mit Emotionen und Hormonen überladen, deren Integration sie nie gelernt haben.

In ihren Beziehungen mit Frauen sind diese Männer eher ungehobelt, denn sie haben nie verstanden, was Zärtlichkeit eigentlich bedeutet und glauben, ein ‘richtiger Mann’ habe roh zu sein und raubauzig, kurzangebunden und scharf, und hartkantig; zudem habe er ‘obenauf ’ zu sein, auch sexuell. Darum können sie einfach mit Frauen nicht umgehen und haben daher auch wenig Erfolg beim anderen Geschlecht, was sie nur noch unbehaglicher werden lässt.

Zuhause werden sie sich so gut wie nie um die Kinder kümmern, denn sie glauben, Hausaktivitäten seien nur etwas ‘für Frauen’ und dass die Männer ‘draussen’ ihr Verdienst haben und ihre Einkünfte. Sie hassen imponierende und emanzipierte Frauen, und das ist in ihren Augen bereits dann der Fall, wenn eine Frau ihre eigene Meinung hat.

Dann wird sie als ‘stur’ bezeichnet. Wenn sie sich verteidigt, jeden Tag für Kleinigkeiten geschlagen zu werden, wird sie als ‘Emanze’ verschrieen, wenn sie ein schönes und ästhetisches Heim liebt, wird sie ‘extravagant’ genannt. Wenn sie zärtlich und warm ist mit den Kindern, wird sie ‘Henne’ genannt.

Und wehe ihr, wenn sie hübsch ist; denn dann wird sie konstant von ihm verdächtigt, ‘eine Affäre’ zu haben. Und wenn sie wirklich eine Affäre hatte und ertappt wird, wird sie als ‘Nutte’ ausgeschimpft und hinausgeworfen.

Ödipale Helden fühlen sich oft in rohen Sportarten zuhause wie Boxen, Rugby oder Rennfahren, und sie füllen tagtäglich unsere Body-Building Centers, damit sie ihren Anzug mit ‘Extragrösse’ bestellen können, ganz einfach weil sie nur noch wie Muskelpakete herumstapfen.

Ganz offensichtlich bevorzugen sie bodybuilding über mindbuilding, und daher sind sie mehr und mehr in der grossen Politik zuhause, denn hier hatte Intelligenz bekanntlich noch nie Priorität. Intellektuell sind ödipale Helden mittelmässig, obwohl sie eine ganze Menge Zeit und Energie in Lernen stecken mögen.

Aber wenn sie in Gesellschaft von brillanten Menschen sind, Männern, die Universitätskarrieren absolviert haben, oder die genial sind, fühlen sie sich klein und unbedeutend, denn sie leiden unter starken Minderwertigkeitskomplexen, und wissen im übrigen, dass sie schlechte Partygäste sind, weil ihnen ein schneller Geist für gute Konversation gänzlich abgeht.

Wenn es ums Benehmen geht, so sind sie ziemlich ungehobelt, weswegen sie dazu tendieren, nicht allein, sondern mit einer Gruppe von Freunden aufzukreuzen, denn das gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit im Falle, sie begehen einen faux pas. Sie hassen es, sich ‘gut anziehen’ zu müssen und zu einer Rezeption allein zu gehen; in den meisten Fällen, wenn sie nicht mit ihrer Crew aufkreuzen können, bleiben sie einfach zuhause und sagen ab.

Sie sind die Traumfiguren naiver Provinzmädchen, und haben ihren Ruhm auf dem Buckel der einfachen Leute erlangt, vor allem im Hollywood Film.

Ihr unsicheres Benehmen wenn in guter Gesellschaft wird als der Charme des ewigen Jugendlichen ausgelegt, dem Peter Pan der Märchen. Sie haben entschieden dazu beigetragen, den American Dream zu bilden, und in der farbenfrohen Welt von Hollywood sind sie Standardrequisite.

Die verborgene Seite ihrer Glorie, und ihrer gloriosen Rechtschaffenheit, ist ihre titanische Gewalttätigkeit!

In den meisten Fällen sind diese Männer sich bewusst, dass sie ein Problem haben, ihren Ärger, ihre Wutausbrüche, Hasstiraden und Mordimpulse in konstruktive Bahnen zu leiten. Es sieht alles so aus bei ihnen, dass sie nur auf eine Gelegenheit warten, um Amok zu laufen und alles herum niederzuknallen, um sich zu beweisen, dass sie ‘wirkliche Männer’ sind.

Die verborgene Gewalttätigkeit des ödipalen Helden war anschaulich dargestellt im Film Dr. Jeckyll und Mr. Hyde, welcher eine gute Metapher darbot für den schizoiden Split, unter dem diese Männer leiden. Hier der gute Doktor, dort der böse Kobold, zwei Seiten derselben Medaille, wenn der gute Bürger sich in Sekunden in einen blutrünstigen Tiermann verwandelt.

Die Natur rächt es, wenn wir unsere Eigenheit unterdrücken, denn dann werden wir von genau den inneren Energien kontrolliert, die wir verneint haben.

Indem sie ihre Pädoemotionen verdrängt haben, oder allgemeiner ausgedrückt, indem sie Liebe durch Moralismus ersetzt haben, welches genau der Punkt ist, wo sie gegen die Natur handeln, haben ödipale Helden sich tief fragmentiert, welches in extremen Fällen zur Persönlichkeitsspaltung führen kann.

Das Resultat ist dann, dass die Person mit zwei Split-Persönlichkeiten lebt, so wie im Film gezeigt, und das Gefährliche dabei ist, dass jede der beiden nur für das verantwortlich steht, was sie angerichtet hat, nicht aber für das, was die andere Split-Person getan hat. Wenn der Tiermann also mordet, und sich dann in den guten Doktor zurückverwandelt, so kann der Doktor strafrechtlich nicht für den Mord verantwortlich gemacht werden, denn er weiss davon nichts.

Obwohl dies recht selten vorkommt, so kann doch gesagt werden, dass diese Pathologie in unserer Gesellschaft wahrscheinlicher ist, als in natürlicheren und integrierteren Kulturen, denn der schizoide Split ist die Wurzel unserer Doppelmoral.

Darum spreche ich eben von ödipaler Kultur.

Während wir ödipale Helden jeden Tag im Alltag sehen, und in unseren Medien, da sie so populär sind, und mit jedem Tag populärer, so sehen wir doch in den meisten Fällen nur ihr Licht, und nicht ihren Schatten. Wir sehen nur das, was sie öffentlich sagen und tun, nicht das, was sie hinter verschlossenen Türen sagen und tun.

Es wird alles so eingerichtet, dass wir von diesem Wissen abgeschottet sind. Denn erführen wir es, wären wir schockiert.

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