Forensische Erwägungen

Wenn pädophiles Verlangen zärtlich und affektiv-emphatisch ist, wird der Mann zusammen mit dem Kind in aller Regel einen Weg finden, sexuelle Erfüllung zu leben, ohne das Wohlbefinden des Kindes zu beeinträchtigen.

Es ist nur im erschwerenden Fall von sexuellem Sadismus, dass der Mann unter einem Verlangen leidet, das so explosiv ist, dass es nur dann befriedigt werden kann, wenn das Kind geschlagen wird, und wenn es Zeichen von Schmerz zeigt.

Wir haben es hier einfach mit zwei verschiedenen Ätiologien zu tun, die man nicht einfach in Bausch und Bogen als ‘Pädophilie’ abhandeln kann, wie dies heute fast überall simplistisch getan wird.

Es ist offensichtlich, dass die Erfahrung für das Kind im letzteren Falle keine sehr positive und willkommene ist, und dass sie Trauma hervorrufen kann, während viele Untersuchungen gezeigt haben, dass wenn die sexuelle Erfahrung zärtlich und respektvoll war, und also keine Gewalt im Spiel war, die meisten Kinder nicht mit Trauma auf eine solche Erfahrung reagieren, auch wenn es für sie die erste sexuelle Erfahrung im Leben war.

Das Problem, unter welchem die meisten ödipalen Helden leiden, ist sexueller Sadismus, als Folge nämlich ihrer reprimierten Rage, wenn sie in ihrer Kindheit immer und immer wieder Autonomie bilden wollten, und ihre narzisstischen Mütter es ihnen unmöglich machten durch Manipulation, Verbote, und Demütigungen.

Obwohl unsere Gesellschaft über die letzten Jahrzehnte eine ziemlich tolerante Haltung eingenommen hat, was sogenannte SM anbetrifft, also einverständliche sadomasochistische Sexualbeziehungen unter Erwachsenen, so ist diese Form der Sexualität natürlich problematisch, wenn der passive Partner ein Kind ist. Ein solches Kind ist dann natürlich der sadistischen Dynamik des erwachsenen Partners voll ausgesetzt und ob ein Kind oder ein Jugendlicher damit um gehen kann, bleibt fraglich.

Der sadistisch-pädophile Erwachsene mag dazu neigen, eine solche Beziehung ethisch damit zu rechtfertigen, dass das Kind ‘schliesslich auch eine Tracht Prügel vom Vater einstecken kann,’ ohne gleich den Verstand zu verlieren, aber es ist offensichtlich, dass alle solche Vergleiche hinken. Gewalt ist nun einmal Gewalt und eine ‘Tracht Prügel’ ist deswegen nicht sozial zulässiger oder ‘besser,’ weil sie vom Vater verabreicht wird, als die gleiche Tracht Prügel, die vom pädophilen Sadisten einem Kind sozusagen als ‘Vorspiel’ verabreicht wird.

Obwohl dies sicher zynisch und fast frivol klingt, so haben Gerichte und Strafverfolgungsbehörden doch über die Jahre hin mit einer Reihe solcher Fälle zu tun gehabt, wo der Angeklagte eine solche Verteidigung ganz im Ernst und ohne beabsichtigten Zynismus zu Akten gab.

Das kann eigentlich auch nicht verwundern, und man sollte sich darüber weniger moralisch entrüsten, denn Tatsache ist, dass die meisten Staaten noch weit davon weg sind, die Körperstrafe zu verbieten und sozial, im gesamten Erziehungsgefüge, als inadäquates und unerwünschtes Erziehungsmittel öffentlich zu brandmarken. Und solange dies nicht geschieht, kann man eigentlich einem solchen Argument nur insofern widersprechen, dass Sexualität mit Kindern ohnehin nach dem Gesetz strafbar ist.

Was auch immer man über solche Fälle denken mag, die uns allen aus den Abendzeitungen bekannt sind, so ist doch offensichtlich, dass unsere Gesellschaft mehr Verantwortung an den Tag legen muss, um zukünftige soziale und gesetzliche Richtlinien auszuarbeiten, die Gewalt gegen Kinder effektiv verhindern. Die Situation unter der gegenwärtigen Gesetzeslage ist alles andere als zufriedenstellend, denn sie ist univektorial nur darauf aus, Strafen für Sexualdelikte und Eintragungen im Strafregister ständig zu erhöhen und zu verlängern, ohne dass sich dabei sozialpolitisch das Geringste ändert. Unsere Kinder sind sicher nicht sicher!

Ich würde dafür plädieren, in erster Linie einmal das Phänomen des ödipalen Helden psychiatrisch und forensisch wirklich zu erfassen, und zu studieren, denn das wurde bisher nicht getan. Ich bin hier wirklich ein Pionier und meine Forschungen verdienen es, weiter verfolgt zu werden. Die Situation des ödipalen Helden muss erst einmal kognitiv erfasst werden, und basierend auf diese Analyse müssen Methoden ausgearbeitet werden, die solchen Männern helfen, ihren Komplex zu überwinden und ihre virulenten und sexualisierten Pädoemotionen zu integrieren.

Das geht nur dann, wenn man den Männern therapeutisch hilft, Eigenliebe und Selbstrespekt zu bilden, wenn man ihnen dabei hilft, ihren phallischen Komplex zu überwinden und sich zu akzeptieren wie sie sind. Dies bedeutet, dass die Therapie darauf hin arbeiten muss, den Männern zu zeigen, dass sie liebenswert sind, ebenso liebenswert wie jeder andere Mann, ob sie nun ‘Sexualtäter’ sind oder nicht.

Diese Schablonen, diese Etiketten, die wir auf Menschen kleben, weil sie dies oder das taten, richten mehr Schaden an als alles andere. Meiner Ansicht nach liegt hier der Grund, warum die Rückfallquote bei Sexualstraftätern tatsächlich so hoch ist. Ein Mann ist kein anderer, nur weil er einmal oder gar mehrmals sexuell ausagiert hat in einer Weise, die unsere Gesellschaft abscheulich findet. Mag man es persönlich wie auch immer beurteilen, aber die Tat ist nicht der Täter. Die Handlung ist nicht der Handler.

Wenn jemand vergewaltigt hat, so ist er kein Vergewaltiger. Wenn jemand gemordet hat, so ist er kein Mörder. Er ist immer noch dieselbe Person, und als Person ist sie ganz einfach Mensch. Unser Vokabular hier, das kriminologische Vokabular, ist selbst gewalttätig, und daher muss es geändert werden, denn es steht der Rehabilitation vieler Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, im Wege.

Wenn ich eine Therapie ausarbeite, und darüber habe ich seit zwanzig Jahren wirklich viel nachgedacht, und es auch mit anderen Juristen und Wissenschaftlern diskutiert, so würde ich Elemente in die Therapie einbauen, die es der Person erlauben, ihr doch meist rudimentäres Gefühlsleben zu entwickeln.

Das bedeutet im einzelnen, den Berührungssinn zu schärfen, die Gefühle wieder zu fühlen (sic!), wenn wir geküsst oder umarmt werden, als auch was wir fühlen, wenn wir uns selbst im Spiegel sehen und unser Selbstbild kommentieren. Auch würde ich die Person zur Eigenmacht hinführen, um Gefühle von Akzeptanz, Selbstliebe, und gesundem Stolz zu entwickeln.

Ein weiteres wichtiges Element in einer solchen Therapie wäre, den muskulären und charakterologischen Panzer aufzulösen, und dies dadurch, den Patienten in seinem Fantasieleben langsam zu einer Idee von Promiskuität hinzuführen, die ihn graduell hinausführt über die Fixierung auf eine einzige Gruppe von Menschen, sondern als eine Art von imaginativer Reise in andere erotische Erfahrungsbereiche, die für ihn potentiell von Interesse sein könnten. Dazu gehört idealerweise die Möglichkeit, die Person wirklich sexuell tätig werden zu lassen mit einer Vielzahl von Personen, wobei gegenseitige Wahl hier natürlich vorausgesetzt sein müsste.

Auf der anderen Seite hat die totale sexuelle Deprivation, wie sie heute Bestandteil des Strafvollzuges überall in der Welt ist, natürlich genau den gegenteiligen Effekt.

Wenn ich mir vorstelle, eine solche Therapie für Sexualtäter im Bereich des Strafvollzuges anzubieten, so wird das wahrscheinlich auf eine ganze Reihe von Problemen stossen, und dennoch bin ich überzeugt, dass dies der richtige Weg ist. Die Probleme müssen eben gelöst werden, damit diese Art der Therapie ermöglicht wird, denn sie ist unumgänglich, wenn man die Rückfallquote bei Sexualtätern substantiell verringern will, und andererseits den Betroffenen wirklich helfen will, ein erfülltes Liebesleben zu führen.

Grundvoraussetzung für eine solche Therapie ist natürlich, dass sie alsOption angeboten wird, ohne jeden Zwang, obwohl eine beachtliche Strafminderung, wie dies in den Vereinigten Staaten, Schweden, Dänemark und anderen Ländern manchmal offeriert wird, schon damit verbunden sein könnte. Eine solche Strafminderung ist ethisch gerechtfertigt und ich teile insofern die Bedenken linksradikaler Fraktionen nicht, denn es ist nicht von vornherein als ‘Unterwerfung unter das System’ zu werden, wenn ein Häftling einer Therapie zusagt, sondern zunächst einmal ein Ausdruck seiner freien Wahl.

In einem solchen Fall muss es positiv angerechnet werden, dass die Person einsieht, dass sie sozial unerwünscht gehandelt hat, wenn auch vielleicht im Einklang mit ihren eigenen Moralvorstellungen, und wenn sie erkennt, dass ihr Handeln gewisse determinierende Faktoren in sich birgt, die man ohne therapeutische Hilfe nur in Ausnahmefällen selbst ausarbeiten und integrieren kann.

Andere Länder mögen andere Vorstellungen hegen in dieser Hinsicht. Manche lehnen Therapie grundsätzlich ab, weil sie noch stets auf dem Paradigma ‘totaler Vergeltung’ beharren, das ursprünglich, im Altertum und im Mittelalter, das herrschende war. Wieder andere würden einen Häftling selbst für eine Therapie zahlen lassen, was natürlich für viele mangels Einkünften illusorisch wäre. Andere Länder wiederum bieten Therapie an, aber ohne jede Chance auf Strafminderung.

Es gibt natürlich in Gefängnissen solche, die alles tun, um ‘den Bunker in die Luft zu jagen,’ und diese Querulanten sind oft erstaunlich erfolgreich, obwohl sie lediglich eine Minderheit von ödipalen Helden darstellen, während die Mehrheit sich mehr oder weniger korrekt und respektvoll verhält — was auch immer sie angerichtet haben.

Daher ist es eigentlich so, dass diese querulante Minderheit von Scheinhelden die ganze Suppe verdirbt, auf der einen Seite, aber auch auf der anderen, den ganzen Laden wirft, in dem Sinne nämlich, dass die Verschärfungen im Strafvollzug, die wir über die letzten zwanzig Jahre beobachten konnten, vielfach auf die Revolten und die gewalttätigen Übergriffe solcher Gefangener zurückgingen, obwohl sie nur eine verschwindend geringe Minderheit ausmachen.

Das ist eben die Tragik des ödipalen Heldentums! Wenig ist erforderlich, damit sie Erfolg haben, denn sie sind, trotz ihrer ungemeinen Perversität, ganz ungemein erfolgreich in unserer Gesellschaft!

Erfahrung zeigt, dass diese Gruppe von Gefangenen zu den Bankräubern und Gewaltverbrechern zählen und dass so gut wie keine Sexualstraftäter unter ihnen sind. Auch solchermassen gewalttätige Männer, die beispielsweise Kinder, alte Frauen oder Polizisten kaltblütig ermordet haben, oder die Terroristen sind, gehören sicherlich nicht dazu. Es sind ausschliesslich kleine Diebe und Räuber, die diese Vigilante-Gruppen in Gefängnissen ausmachen, und die für all die Unruhe sorgen, und bisweilen ganze Institutionen in Brand setzen und Wärter umbringen.

Meine Forschung hat mir klar gezeigt, dass man mit Gewalt und Zwang absolut nichts erreicht im Strafvollzug, und noch weniger bei Sexualstraftätern, denn sie gehören sicherlich nicht zu den Gewaltverbrechern in dem Sinne, dass sie im täglichen Leben gewalttätig sind, wie es die kleinkriminellen Vigilante-Gruppen sind.

Bei Sexualtätern hilft nur eines, Toleranz und wieder Toleranz; es zahlt sich aus, ehrliche und unerschrockene Professionelle in den Strafvollzug einzubringen, die Therapien und kreative Aktivitäten anbieten oder Yoga und Meditation, und die im ganzen gesehen möglichst frei sind von Gut-und-Böse Urteilen, denn das ist es, was wirklich beiträgt zur Rehabilitierung von Straftätern.

Das bedeutet auch, dass alle am Strafvollzug Beteiligten genügend psychologisches Training erhalten müssen, um einzusehen, dass jede Art von Persönlichkeitswachstum nur in kleinen Schritten kommt, und dass dies generell so ist, nicht nur bei solchen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Toleranz heisst Geduld zu haben und Geduld zu lehren!

Wenn der Charakterpanzer des ödipalen Helden sich aufzulösen beginnt, fällt das ganze riesige heroisch-pompöse Glaubenssystem des ödipalen Helden langsam aber sicher in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Das Resultat ist, dass der Geist bereichert werden wird und der Körper graduell entsorgt wird von all dem überflüssigen Protein, Fett und hypertrophiertem Muskelgewebe, und der Mann wird abmagern als Folge inverser Proportionalität. Das bedeutet im einzelnen, dass die typischen Verhaltensmuster, wie obsessives Body-Building, Übergewicht, Alkoholismus oder Kettenrauchen sich graduell von selbst auflösen.

Auf der anderen Seite gehöre ich nicht zu denen, die glauben, dass die Behandlung von Symptomen wirkliche Heilung bringt, denn ich bin nicht der Meinung, dass solche schnellen Lösungen andauernden Erfolg bringen. Nur ein holistischer Ansatz kann das tun, ein Ansatz, der von innen nach aussen prozediert.

Denn eines ist klar, Sadismus ist nicht einfach zu heilen, und in der herrschenden forensischen Psychiatrie, um es zu wiederholen, werden bis heute sadistische Kindermörder als unheilbar erklärt!

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