Auswege aus der Mordkultur

In diesem Essay geht es weniger um Analyse, als letztlich um konkrete Vorschläge, wie wir individuell und kollektiv den Ausweg aus der Mordkultur finden können.

Dies ist auch methodologisch von Bedeutung, denn Analyse ist bekanntlich nur der erste Schritt von zweien, welche sind: Analyse und Synthese. Synthese und Analyse sind Gegenpole. Sie sind gleichermaßen involviert bei der Wahrheitsfindung. Aber wenn es bei der Analyse bleibt und die Synthese gewissermassen unter den Tisch fällt, haben wir es mit einer Form von Kernspaltung zu tun.

Diese Art von intellektueller Kernspaltung führt zu Abstraktionen, die sehr schön klingen, und auch einigermaßen gegenständlich erscheinen, die aber in der gelebten Realität eigentlich nicht, oder nicht in der vermuteten Reinheit anzutreffen sind. Das gilt gleichermaßen für die gerade Linie, die nirgends in der Natur zu finden ist, wie für gewisse Denkschablonen, die abstrahierend-analytisches Denken geschaffen haben.

Solche Denkschablonen können wir auch als Kategorien bezeichnen, als fest umrissene Begriffsräume. Und ein Denken, das ausschließlich von solchen Kategorien bestimmt ist, müssen wir logischerweise als kategorisches Denken definieren. Nach der Analyse, wenn wir alles haarfein zerlegt und zerspalten haben, müssen wir gleichsam wieder aufräumen, wieder Weitblick erlangen, und das Puzzle wieder zusammenfügen…

Nach der Psychoanalyse kam daher logischerweise die Psychosynthese. Obwohl die meisten Leute, wenn überhaupt, nur von ersterer etwas mitbekommen haben. Aber wir leben nun einmal im Zeitalter der Theorien, was übrigens auch Vorteile hat. Vor allem den, dass frühere Orthodoxien langsam aufgeweicht werden und verschwinden. Denn das Zulassen verschiedener Theorien über bestimmte Themen oder Lebensfragen führt zu einem mehr oder weniger pluralistischen Weltbild — also einem einigermaßen toleranten.

Es geht mir hier denn auch darum, neue Paradigmen aufzuzeigen, die uns kollektiv und individuell aus der ödipalen Falle führen können, wenn wir bereit sind, unser Glaubenssystem entsprechend umzumodeln, oder gar, wenn dies auch nur für außergewöhnliche Menschen möglich ist, ganz abzulegen.

Dies ist letzten Endes eine wichtige Problematik für den Weltfrieden. Es ist die Frage, wie sich Schutzdenken auf unser Bewusstsein auswirkt, ob es bewusstseinserweiternd oder eher bewusstseinsverengend operiert? Ich kam zu dem Ergebnis, dass Schutzdenken eine bewusstseinsverengende und klaustrophobische Wirkung hat.

Es zeigt sich namentlich an der aktuellen Kinderschutzdebatte in den Vereinigten Staaten darüber hinaus, dass dieses Denken Blickverengungen hervorbringt, die zu Gruppenhysterie und Fundamentalismus führen, und, schlimmer, zu einem Zurückschrauben von konstitutionell gesicherten Freiheiten und Menschenrechten.

Ich argumentiere im einzelnen, dass es keinen Weltfrieden geben wird, wenn der Kinderschutz-Faschismus und alle Verfolgungen, Verhaftungen und Folterungen von Liebhabern, die Kinder aus welchem Grund auch immer als Partner wählen, nicht ein dezidiertes Ende haben und eine massive Strafrechtsreform durchgeführt wird, die Jahrhunderten von Hexenverfolgungen, die heute unter anderem Namen weitergeführt werden, ein Ende setzt.

Ich habe mit meinen Forschungen über dieses brisante Thema im Jahre 1985 während meiner Studien im internationalen Recht in den Vereinigten Staaten begonnen und habe mehrere Fachstudien darüber in englischer Sprache geschrieben. Es mag ungewöhnlich klingen, dass ein internationaler Anwalt sich mit Strafrecht befasst; ich merke daher autobiografisch hier an, dass ich vor meinen Doktoratstudien im Europarecht und Völkerrecht an meiner Heimatuniversität auf Kriminologie spezialisiert war, und seit der Zeit auch praktisch in der Gefangenenbetreuung tätig war.

Es lässt sich historisch eindeutig darlegen, dass Schutzdenken immer mit Schutzbehauptungen einher ging. Sklaverei von Afrikanern in Europa und später in den Vereinigten Staaten wurde gerechtfertigt mit dem Argument, diese Menschen seien ‘so dumm, dass sie nicht für sich selbst sorgen können und daher ihr Leben nicht selbst bestimmen können.’

So wurde die Idee an die Massen verkauft, man müsse für den Schutz dieser Menschen einstehen, und mit dieser Behauptung wurde Sklaverei dann offiziell gerechtfertigt und anerkannt. Heute wird hinsichtlich des Sexuallebens der Kinder in genau derselben Weise argumentiert. Einerseits wird stillschweigend geduldet, dass Kinder in der Schule Wissen in sich hineinfressen müssen, das keinerlei Bezug hat zu ihrem Seelenleben, und andererseits wird behauptet, Kinder seien zu klein und schutzbedürftig, um verantwortlich mit ihrem Körper umzugehen.

Sexualität traumatisiere sie, wird gesagt, obwohl es seit Anfang des 20. Jahrhunderts klar feststeht, dass das Kind bereits als Fötus sexuell ist, und sexuelle Aktivität, gleich in welchem Alter, nicht nur nicht traumatisiert, sondern einen ganz klaren positiven Einfluß auf unsere Gesundheit, unseren Realitätssinn, unsere Identität und unser kritisches Denkvermögen hat.

Kinderschutz im Sinne einer gesetzlich angeordneten und öffentlich als moralisches Gebot proklamierten Abstinenz des Kindes und des Jugendlichen ist daher wohlverstanden ein Schachzug, der darauf abzielt, brave, identitätslose, unkritische und im grossen und ganzen totalblöde Konsumenten heranzuzüchten.

Ich merke hier denn auch nur im Vorbeigehen an, dass das Niveau des amerikanischen Schulsystems erwiesenermassen nicht nur unter dem Niveau des europäischen Schulsystems liegt, sondern gar unter dem Niveau der meisten Schulsysteme von Entwicklungsländern!

Dies ist natürlich kein Zufall im reichsten Land der Welt, sondern Teil eines Systems, in welchem Kinderschutz Konsumnutz ist, und wo darüber hinaus die soziale Realität wenn immer möglich so geschmiedet wird, dass der herrschenden Strata von international operierenden Industriebonzen damit gedient ist.

So wird denn in Sachen Kinderschutz hier über die letzten Jahre einfach das Blaue vom Himmel gelogen und es werden Behauptungen aufgestellt, die zu verschleiern trachten, was offensichtlich ist.

Das Kind ist eine Konsummaschine, die in der modernen Konsumkultur ökonomisches Gewicht hat; nicht umsonst begann die Repression der kindlichen Sexualität historisch ganz genau mit der Industriellen Revolution, also von etwa der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an. Dies ist keine müde ‘philosophische’ Theorie, sondern wurde von der Fachliteratur sowohl in Europa wie in USA als historisches und psychosoziales Faktum klar herausgearbeitet.

Einer der wichtigsten Punkte auf der Agenda einer neuen Gesellschaft ist die Rückgängigmachung früher Geschlechtsspaltung in der Kindererziehung.

Wir alle tragen in uns Charakteristiken beider Geschlechter und es kann für manch eine(n) verwirrend sein, dass unsere Kultur uns auf ganz bestimmte Merkmale und Verhaltenswiesen des einen oder anderen Geschlechts hin festlegen will.

Es gehört Persönlichkeit, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein dazu, dieser zivilisatorischen Schablonisierung individuell die kalte Schulter zu weisen und das eigene So-Sein als richtig und gesund zu akzeptieren. Es ist unzweifelhaft, dass in der Praxis derartigen Zuordnungen eine Label–Funktion zukommt.

Das hat positive und negative Folgen. Positiv gesehen, geben Gruppenzuordnungen Individuen, die sich zugehörig fühlen, emotionale Sicherheit, den Eindruck, sich in seinem Sosein irgendwo zuhause zu fühlen, akzeptiert, so wie man ist in seiner bestimmten Art. Negativ kann damit Angst erzeugt werden, weil man sich niemals so sicher sein kann, ob man nun wirklich so und so ist, und nicht anders. Zum anderen fällt auf, dass man Sexualität auch ganz anders betrachten kann. Es ist nämlich nicht erforderlich für die Lustempfindung, Sexualität als Bereicherung einer Partnerbeziehung anzusehen, sondern man kann sie voll und ganz autoerotisch leben.

Und über die genitale Stimulation hinaus, ist der Lustbereich viel weiter. Er erstreckt sich, um genau zu sein, auf den gesamten Bereich unserer Haut. Hier einengend von sogenannter taktiler Sexualität zu reden und nicht von Sexualität an sich macht keinen Sinn. Denn jede Form von Sexualität ist taktil. Ohne Taktilität keine Sexualität.

Die Frage nach der Existenz einer Taktilsexualität oder Streichelsexualität ist eigentlich auch eine ziemlich neuzeitliche. Sie ist Teil des New Age und ging ursprünglich von der Intention aus, aktfixierte Sexualauffassungen der Vergangenheit als ungültig und willkürlich zu erklären.

Denn Sexualität in bestimmte Akte einschränken zu wollen und nur innerhalb bestimmter Akte anzuerkennen, ist Teil des kartesianisch-mechanistischen Weltbildes des Fische-Zeitalters. Heute wird eine solche Auffassung von Sexualität sogar im konservativeren Teil des Fachschrifttums als überholt angesehen.

Allerdings werden oft nicht alle sozialethischen Konsequenzen aus diesem Paradigmenwechsel gezogen. Hier geht es mir wohlgemerkt nicht darum, ob es eine Streichelsexualität gibt oder nicht.

Meine Ansicht hier ist, dass die umfassendste Form von Sexualität überhaupt Taktilsexualität ist, also unsere natürliche Hautsexualität und dass es daher grundfalsch ist, von einer taktilen Sexualität so zu reden oder zu schreiben, als sei es eine eigene Form oder Kategorie von Sexualität. Denn das ist es eben nicht. Jede Sexualität ist taktil, und vor allem taktil.

Heute jedoch würden in unserer Kultur viele es als unüblich angesehen, Kinder sich nackt gegeneinander kuscheln zu lassen, oder dass sich gar Kinder und Erwachsene gemischt in einem Bett oder auf einer Matte tummeln. Und dies, obwohl wir nun auch von der Wissenschaft her die Bestätigung erhielten, dass Hautkontakt, Wärme, Zusammensein, Zärtlichkeit,

Nacktheit, Streicheln und Massage für Menschen aller Altersgruppen gleichermaßen wichtig und lebensnotwendig sind.

Wie bereits eingangs erwähnt, haben verschiedene Forscher die Folgen einer Deprivation von Liebesnahrung näher untersucht und kamen zu überraschenden und eigentlich alarmierenden Folgerungen.

Leider waren solche Forschungen häufig auf die Affenwelt bezogen, obwohl man aus Gründen genetischer Ähnlichkeiten solchen Untersuchungen ihren Wert nicht gänzlich absprechen kann. Dennoch scheint es naheliegend, gleich beim Menschen solche Phänomene zu beobachten.

Die Pädiatrie und vor allem die neuere Kinderpsychologie haben uns hier gute Dienste erwiesen. Denn alle diejenigen Fachleute, die sich mit Kindern beschäftigen, sind sich einig, dass Kinder, die lieblos aufwachsen, größere Anpassungsprobleme und Lernschwierigkeiten aufweisen, als solche, die mit Liebe und Wärme, und vor allem mit Hautkontakt während ihrer jungen Jahre, aufgewachsen sind.

Erstere Gruppe von Kindern sind insbesondere diejenigen, die man als zappelig bezeichnet, die durch schwaches Konzentrationsvermögen auffallen und die relativ kontaktarm sind, oder aber sich durch aggressiv-unkooperatives Verhalten leicht von der Gruppe ausschließen lassen. Sie werden meist als schwierige Kinder oder als Problemkinder abgetan oder gar als delinquent herabgewürdigt.

Beim Kleinkind ist man sich heute einig, dass die taktile Stimulation essentiell ist für seine physische und psychische Gesundheit und sein gesundes Wachstum und es ist bewiesen worden, dass enger und langandauernder Hautkontakt des Babys mit Mutter oder Vater oder anderen taktilnutritiven Personen sein Immunsystem entscheidend stärkt und das Kind krankheitsunanfälliger macht.

Wie bereits weiter oben angedeutet, hat der amerikanische Neuropsychologe James W. Prescott herausgefunden, dass bestimmte Kulturen, fahren sie weiterhin damit fort, Kinder in einer liebesarmen und taktilnutritiv deprivierten Umgebung und Moral aufzuziehen und voreheliche Sexualität zu verbieten, in einem wahren Chaos von Gewalt ertrinken werden. Denn Gewalt, so stellte Prescott wissenschaftlich fest, entsteht durch eine Kompensationsreaktion des Gehirns für mangelndes Berührtwerden.

Unsere Betrachtung kann insoweit nur Denkanstösse geben. Das Problem der heutigen Debatte ist, dass sie steif wurde, rigide und mit Angstklischees durchsetzt. Der böse Mann von nebenan geistert nicht nur in amerikanischen Talk–Shows herum und die allgemeine Hysterie bezüglich kindlicher Erotik und ihrer Lusterzeugung beim Erwachsenen kommt dem taktil bedürftigen Kind nicht gerade zugute. Babymassage, wie Frederick Leboyer sie in Indien kennen lernte und im Westen propagierte, ist denn auch eine mögliche Form von taktiler Stimulation, von Hautkontakt.

In diesem Sinne können wir sagen, dass Liebe sprichwörtlich durch die Haut geht. Hautkontakt ist uns ein spontanes Verhalten, um Liebe mitzuteilen. Die Eltern streicheln ihr Baby und küssen es. Liebende umarmen sich. Kleine Kinder wollen mit den Eltern schlafen und Geschwister teilen ganz natürlich ihr Bett, jedenfalls bis zu einem gewissen Alter. Hier spielen gesellschaftliche Erwartungen eine die Natur überlagernde Rolle.

Historisch war es so, dass Hautkontakt als völlig natürlich anerkannt war und dass auch sexuelle Kontakte in bestimmten institutionalisierten Formen bis zu den ersten Zeugnissen menschlichen Lebens zurückzuverfolgen sind.

Darüber hinaus, so berichtet zum Beispiel Françoise Dolto ihrem vorerwähnten Buch ‘Die Sache des Kindes,’ waren noch im siebzehnten Jahrhundert Liebes- und Sexualkontakte zwischen Frauen und kleinen Jungen keine Seltenheit.

Die Aufteilung von Liebe und Erotik in verschiedene sexuelle Gruppen oder Ordnungen erscheint denn auch nach allem ein wenig mechanistisch. Solche Sexualmathematik mag gewissen Kategorisierungsbedürfnissen entsprechen. Dem Leben sind sie nicht gerade entnommen. Denn in der Praxis sind die Übergänge meistens fliessend. Bereits zu babylonischen oder biblischen Zeiten gab es Menschen, die auf Liebe paranoisch reagierten. Die Schriften nicht nur unserer eigenen Kultur sind voll von Zeugnissen dieser Tatsache.

In ihrem historischen Verlauf, ihrer sogenannten Evolution, die meiner Ansicht nach eher eine Devolution seit der minoischen Zivilisation ist, hat die Menschheit nicht mehr Toleranz gelernt. Die menschliche Geschichte ist vielmehr ein Wechselspiel von Zeiten oder Kulturen größerer und geringerer Toleranz. Augenscheinlich ist, dass alle moderne Wissenschaft, alle Aufklärung und aller guter Wille nicht verhindern konnten, dass heute wieder in sensiblen Bereichen des Lebens eine Art dunkles Mittelalter angebrochen ist, eine Zeit paranoischer Ängste und abergläubischer, zum Teil abstrus lebensfremder Vorstellungen.

Meine Auffassung ist, dass Wissenschaft uns nicht lehren kann, was Liebe ist. Nur die Liebe selbst kann es. Mit anderen Worten: wer selbst als Kind Liebe, Wärme und Hautkontakt erfahren hat, wird solchen Erfahrungen auch später offen und positiv gegenüberstehen.

Das Problem, so scheint es, ist nicht, dass die meisten Menschen nicht genügend informiert oder nicht wissenschaftlich interessiert sind, sondern dass sie sich im Gegenteil bei ihren Werturteilen zuviel auf das stützen, was sie von anderen hören oder von gewissen als Autorität angesehenen Instanzen erfahren, als auf ihren eigenen Körper zu hören, auf ihren eigenen Tastsinn!

Alle wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigen, dass in aller Regel diejenigen, die selbst als Kind ihre Sexualität positiv erleben durften, sei es in Kontakten mit Gleichaltrigen oder Älteren, sei es mit ihrem eigenen oder dem anderen Geschlecht, solche Kontakte und die Möglichkeiten dazu auch später bejahen und positiv bewerten werden.

Dies einmal vorausgesetzt, ist es jedoch nicht unmöglich, sich gegen allergische Reaktionen der Umwelt und eigene Sexualängste gleichermaßen zu wappnen. Dies erfordert allerdings ein klein wenig Glauben an das Gute das in uns allen ist das Gute, das in jeder Liebesbeziehung, in jeder Anziehung auch sexueller Art, überhaupt verborgen ist.

Um bisher zusammenzufassen, so habe ich als Auswege aus der ödipalen Verstrickung drei fundamentale Änderungen in unserem Verhaltensgrundmuster erwähnt:

— Unsere natürliche Bisexualität erkennen und zulassen;

— Unsere taktile Sensitivität anerkennen und fördern;

— Kindern erlauben, so lange sie wollen, in einer gewissen Androgynität aufzuwachsen.

Es ist interessant, hier anzumerken, dass gechannelte Literatur, wie zum Beispiel die Seth Bücher von Jane Roberts diesen Punkt ebenfalls als zentral erwähnen für den Ausweg aus der Mordkultur. Hier ein Zitat aus Die Natur der Psyche (1979/2000), ‘Eure Überzeugungen führen zur Annahme, dass eine natürliche Bisexualität zum Tod der Familie führen würde, zur Zerstörung der Moral, zu zügellosen Sexualverbrechen und zum Verlust der sexuellen Eigenart. Ich würde aber sagen, dass dieser mein Ausspruch (mit trockenem Humor) vielmehr eure gegenwärtige Situation genau beschreibt. Eine Annahme der natürlichen Bisexualität des Menschen würde diese und viele andere Probleme letztlich lösen, so auch das der verbreiteten Gewaltakte jeder Art.’ (Id., 99)

Diesen drei zentralen Punkten bei unserer individuellen und kollektiven Transformation zu einer erotisch intelligenten Kultur, möchte ich einen weiteren hinzufügen. Es ist das Prinzip der Selbstregulierung.

Wilhelm Reich fand dies durch schlichte Naturbeobachtung heraus. Die Natur organisiert sich, ganz anders als die traditionelle menschliche Gesellschaft, in einem freien Spiel der Kräfte. Das Wetter, alle Zyklen des Lebens von seiner Entstehung bis zu seinem Ende, der Prozess von Gesundheit und Krankheit — alles unterliegt der Selbstregulierung. Alle diese Prozesse laufen von selbst ab, nach einer Art Programm, das die Natur dafür vorsieht und das gleichzeitig sehr einfach und sehr komplex ist.

Angesichts der Bedeutung des Prinzips der Selbstregulierung, möchte ich die vorerwähnten drei Punkte nun noch etwas einfacher zusammenfassen, um es dem Leser zu ermöglichen, diese grundlegenden Erneuerungen in seinem Leben durchzuführen. Eine positive Änderung in diesen drei Punkten wird Ihnen helfen, aus der ödipalen Kultur auszusteigen und ein wesentlich höheres Maß an erotischem Bewusstsein zu erreichen, als dies heute möglich oder wahrscheinlich erscheint.

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