Wege zum Weltfrieden?

Grosse Weise wie Krishnamurti oder Maharshi, und vor ihnen bereits Buddha, haben aufgezeigt, dass der Weg zum kollektiven Frieden nur in zweiter Linie auf politischer Strategie beruht.

In erster Linie, so konkordieren diese Lehren, kommt es darauf an, dass immer mehr Menschen in ihrem Innenleben, und ihrem sozialen und beruflichen Wirkungsbereich Frieden schaffen, und Wege der konfliktfreien Kommunikation finden. Dazu gehört auch die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, also die Art und Weise, wie man mit zwischenmenschlichen Konflikten fertig wird.

Psychologisch ist es so, dass unser äusseres Leben immer und regelmässig unsere innere Einstellung spiegelt. Jemand, der sich selbst ‘der grösste Feind’ ist, wird auch im äusseren Leben und in der sozialen Interaktion kein angenehmer Zeitgenosse sein.

Das ist der wahre Grund, warum die grossen Pharisäer und Moralisten aller Zeiten immer schlechte soziale Strategen waren. Das ist so, weil der Mensch einfach von Natur aus Harmonie sucht und in Harmonie besser wächst und gedeiht, als in Spannung und Disharmonie.

So ist es auch auf der politischen Ebene. Ein Führer wird dann wirklich geliebt von den Massen, wenn er auf soziale Gegebenheiten Rücksicht nimmt und sie zu verbessern sucht, nicht, wenn er sie zerstört durch Gewalt und Chaos. Wenn auch die Massen oft aus Angst den falschen Führern folgen, so bedeutet dies nicht, dass sie dieselben Führer gewählt hätten, wären sie angstfrei gewesen und hätte es eine politische Alternative gegeben.

Für den Weltfrieden ist daher unbedingt notwendig, dass das moralische Weltbild, das Nietzsche mit dem Beginn des Christentums einsetzen liess, welches aber keinesfalls von Jesus von Nazareth gelehrt wurde, ein Ende nimmt. Dies ist so, weil Menschen, die Moralismen folgen, in einen inneren Konflikt geraten, aus welchem es keinen anderen Ausweg gibt, als Gewalt und immerzu stärkere Gewalt gegen sich selbst anzuwenden, und dann auch gegen andere. Gewalt beginnt immer im Inneren, und wird dann nach aussen projiziert — nicht umgekehrt.

Warum ist das so, möchte man fragen? Das ist so, weil die psychische Struktur des Menschen Frieden und Harmonie wesentlich benötigt zu ihrer kreativen Entfaltung. Wir sind als Menschen vibratorische Wesen in einem vibratorischen Kosmos. Alles ist Vibration und wir können auf dem Gefühlsniveau und dem Seelenniveau nur dann funktionieren, wenn diese Vibrationen, in welchen wir schwingen, harmonisch sind. Kein Mensch kann in einem Terrorsystem kreativ sein.

Im Mittelalter gab es keine individuelle Kunst, sondern kollektiver Zwang zur freiwilligen Teilnahme an monumentalen Projekten zur Verherrlichung der Kirche und ihrer Macht. Im dritten Reich war es ebenso, nur war die Terminologie eine andere.

Wahre Kreativität erfordert innere Freiheit; innere Freiheit ist aber nur möglich, wenn ein kontinuierliches Gefühl der Sicherheit besteht. Dieses Gefühl der Sicherheit kann nicht aufkommen, wenn der Bürger von allen Seiten bespitzelt, abgehorcht und poliziert wird von Geheimdiensten und Kinderschutz-Organisationen, wie es heute wieder der Fall ist.

Weltfrieden ist also in erster Linie eine Funktion von innerem Frieden, den eine möglichst grosse Zahl von Weltbürgern für ihr eigenes Leben realisieren können und wollen.

Von daher ist Eigenliebe die erste Tugend, und Nächstenliebe erst die zweite, denn ohne sich selbst zu lieben, ist es unmöglich, andere liebend zu umarmen. Da aber alle Moralen der Welt das genaue Gegenteil predigen, sind sie am Chaos der Gewalt überall in der Welt massgeblich beteiligt.

So ist denn der erste Schritt zum Frieden, metaphorisch ausgedrückt der letzte Schritt zur Kirche; anders gesagt, der erste Schritt zur wahren Religion ist der letzte Schritt in die Scheinreligion. Diese wahre Religion beginnt bei uns selbst, nicht beim anderen, aber sie endet nicht da; es ist die Union mit unserer verlorenen Seele und die Vereinigung mit unserem höheren Selbst, unserem wahren Führer.

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