Zur Lehre J. Krishnamurtis


Inhalt

Einleitung
Psychologische Angst
Zum Bewusstseinsinhalt
Bewusster und Unbewusster Bewusstseinsinhalt
Individuelles und Kollektives Unterbewusstsein
Die Rolle der Emotionen
Änderung des Bewusstseins


Einleitung

Im diesem Artikel setzte ich mich mit der Lehre Krishnamurtis kreativ auseinander, weil sie einen wichtigen Beitrag leistete zur Vorbereitung der Menschheit für eine neue, bewusstere Evolutionsphase und damit für den Weltfrieden.

Ich war vielleicht privilegiert, dass ich das Wissen um die Lehre K’s nicht nur aus Büchern oder Videos seiner Talks zu entnehmen brauchte. Während der Zeit meiner Doktoratsarbeit in der Schweiz hatte ich nämlich die Gelegenheit, einen Krishnamurti–Studienkreis für fast zwei Jahre zu frequentieren.

Dies gab mir die Gelegenheit, Freunde des grossen Weisen, die ihn über Jahrzehnte persönlich kannten und die ihm ihr Haus und Hof zur Verfügung stellten, wenn er in Europa war, persönlich kennenzulernen und mit ihnen Fragen hinsichtlich seiner Lehre in aller Länge zu diskutieren.

Der Zirkel traf sich an zwei Wochenenden im Monat in Morges bei Lausanne, in der Villa des bekannten deutschen Unternehmers Friedrich Grohe, und ich lernte dort die Prinzessin von Liechtenstein kennen, Raffaela Ida Sangiorgi (1966–2002), die Gattin von Alfred Heinrich Michael Benedikt Maria von und zu Liechtensetin (1951–2002), welche K während der letzten beiden Jahrzehnte in ihrem Anwesen gastfreie Unterkunft gewährten, wenn er in Europa war, um in Saanen in der Deutschschweiz oder in Holland seine Talks zu halten, oder aber zum Genfer See kam, um seinen langjährigen Freund Grohe aufzusuchen.

Die Prinzessin, die perfekt Deutsch sprach, vertraute mir viele Details aus dem privaten Leben K’s an, und half mir in jeder Hinsicht, seine Lehre wirklich zu verstehen.

Ich unterbreitete dem Zirkel dann nach gehörigem Studium der Lehre Krishnamurtis meine Theorie einer Modifikation der Terminologie des Philosophen, denn wir hatten verschiedene Unstimmigkeiten seiner Lehre bereits im Zirkel diskutiert. Da mein Einsatz sehr positiv aufgenommen wurde von der Gruppe, forschte ich weiter, um schrieb im Jahr darauf ein Essay, welches nun in diesem Buch zum ersten Mal in seiner deutschen Version veröffentlicht wird.

Psychologische Angst

Ich möchte in diesem Kapitel die Psychologie Krishnamurtis näher beleuchten, da sie einen unmittelbaren Einfluss hatte auf den Wandel der Menschheit zu einem höheren Bewusstseinsniveau und damit eine der Voraussetzen darstellt für eine Friedenskultur der Zukunft.

Einer der Kernpunkte der Lehre Krishnamurtis ist es, Lebensangst, oder wie er es nannte, ‘psychologische Angst,’ enthüllt zu haben als eine der schädlichsten Neurosen im modernen Menschen.

Psychologische Angst unterscheidet sich von realer Angst dadurch, dass im Grunde kein Anlass zu Angst besteht. Es handelt sich also hier um eine gesellschaftlich anerkannte und abgesegnete Form von Paranoia. Dies ist tatsächlich der Gemütszustand der meisten Weltbürger heute, die unter Lebensangst leiden, einem Zustand, den die Massenmedien gründlich zu schüren und auszunutzen wissen in ihrer Profitgier.

Nun möchte ich zunächst einmal herausfinden, wie diese Angst zustande kommt. Ich habe darüber schon lange geforscht, bereits als Jugendlicher, denn meine Eltern waren wie keine anderen Menschen die ich in meinem Leben kannte in dem Masse ein Opfer von Lebensangst, dass ich es mir zum Gelöbnis machte, die Ursachen dieser Pathologie zu erforschen und meine Erkenntnisse später zu publizieren.

— Siehe auch Alexander Lowen, Angst vor dem Leben (1989).

Wenn wir darüber nachsinnen, wie bei einem Menschen eine solch fundamentale Lebensangst entstehen kann, so wird uns klar werden, dass dabei viele verschiedene Faktoren beteiligt sind. Die Psychoanalyse insbesondere Otto Ranks und Stanislav Grofs hat zutage gefördert, wie sehr wir doch von unseren Mutterbaucherfahrungen geprägt wurden.

Wir können also feststellen, dass die Angst wohl sehr wahrscheinlich bereits da ihren Anfang findet. Also könnte man von einem Weg sprechen, den die Angst nimmt, einem Weg, der ein Anfang hat und ein Ende. Der Anfang des Weges ist wohl der Mutterschoss, denn wir wissen alle, dass sich die Ängste der Mutter gewollt oder ungewollt auf das Baby übertragen. Der Weg setzt sich dann fort in der Kleinkindheit in der Angst des Babys, alleingelassen, aufgegeben, vergessen zu werden von seiner Umgebung, ausgeliefert zu sein.

Doch dann packt die Angst erst richtig zu — durch die sogenannte Erziehung und das Schulsystem, die beide traditionell einzig und allein auf Angst aufgebaut sind. Inzwischen hat das Kind bereits Abwehrmechanismen gegen die Angst entwickelt. Diese Mechanismen sind leider Mechanismen gegen das Leben selbst, denn sie isolieren, beschränken, hemmen, limitieren — mit einem Wort, sie sind destruktiv, sowohl für das Kind selbst, als auch für seine Umgebung. Der Weg der Angst mündet dann ins Erwachsenendasein mit all seinen sogenannten Verpflichtungen und Verantwortungen. Aggression, Gewalt, Intoleranz und Dummheit sind die Folgen der Angst.

Lebensangst ist in hohem Masse destruktiv. Sie macht Liebe unmöglich und erstickt jedes Leben. Es ist nicht wahr, was manche Religionen behaupten, dass die Angst von der tierischen Herkunft des Menschen stamme, denn das Tier lebe ständig in Angst. Das ist falsch, denn das Tier hat Angst nur dann, wenn reale Gefahr für sein Leben besteht, und dann ist die Angst berechtigt und notwendig, um die Überlebensmechanismen zu aktivieren. Das Tier kennt jedoch keine psychologische Angst, und es ist sehr wichtig, sich dies vor Augen zu halten bei dieser Analyse des Problems.

Beim Menschen handelt es sich daher eben nicht um diese gleichsam realistische Angst, sondern um eine tief im Unbewussten verankerte psychologische Angst.

Diese Angst hat nichts mit unserer tierischen Herkunft zu tun, sondern ist dem Menschen anerzogen. Der Beweis für diese These ist, dass nicht alle Menschen diese Angst besitzen. Es gibt durchaus Menschen, die davon frei sind. Das sind die Menschen, die kreativ sind und produktiv. Es sind die, die konstruktiv sind, und nicht destruktiv. Alexander Lowen, Autor des vorerwähnten Buches, war einer von ihnen. Er war ein glücklicher Mensch sein Leben lang, und starb im Alter von 98 Jahren bei voller Gesundheit und geistiger Stärke.

J. Krishnamurti hat vielleicht als erster spiritueller Guru den Mechanismus der Angst — der psychologischen Angst des Menschen — näher untersucht.

Er kam zu dem Ergebnis, dass diese Angst durch den Denkprozess verursacht wird, durch die Fähigkeit des menschlichen Gehirns zur Imagination und Abstraktion, zur Fähigkeit, sich Bilder zu machen von der Realität und dadurch, mittels geistiger Konstruktionen, Konflikte und Widersprüche — wie zum Beispiel den zwischen Ideal und Wirklichkeit — zu erzeugen.

Diese Überlegung, so überzeugend sie klingen mag, ist auf den ersten Blick verwirrend, weil die Denkprozesse in den Gehirnen konstruktiver und angstfreier Menschen prinzipiell die gleichen sind wie in den Gehirnen destruktiver und angstvoller Menschen. Der Denkprozess als solcher ist uns allen gleich, nur die Denkinhalte mögen individuell verschieden sein. Folgt man Krishnamurtis Lehre, so könnte man sich dies dadurch erklären, dass konstruktive und kreative Menschen eine Transformation des Denkens durchlaufen haben und dadurch den Weg zu vollkommener Aufmerksamkeit und Sensibilität fanden.

Es fragt sich nun, wie denn wohl der Denkprozess als solcher transformiert werden kann? Es erscheint wohl richtiger zu fragen, wie der Inhalt des Bewusstseins transformiert werden kann.

Denn obwohl der Denkprozess als solcher der Gleiche ist bei allen Menschen, so ist doch der Bewusstseinsinhalt verschieden bei uns allen, da wir nicht das Gleiche erlebt haben. Krishnamurti behauptet jedoch, und das ist der Kernpunkt dieser Untersuchung, der Inhalt des Bewusstseins sei im Wesentlichen bei allen Menschen gleich und daher müsse der sich transformierende Mensch den Inhalt dieses Bewusstseins gleichsam entleeren.

Dieses Bild ist eine schöne Allegorie. In der Realität fragt es sich aber, wie eine solche Entleerung des Bewusstseins aussehen soll? Alle vergangenen Erfahrungen, gute wie angstvolle, sind unauslöschlich in der Erinnerung eingeprägt. Dazu gehören natürlich auch vererbte und dem kollektiven Unbewussten angehörige Erinnerungsinhalte.

Aus alledem folgt, dass der Weg der Angst immer ein individueller Weg ist. Es ist der eigene Lebensweg. Vererbte und dem kollektiven Unbewussten angehörige Teile des Bewusstseins haben bei der Bildung dieser Angst nur einen sehr untergeordneten Anteil. Der Hauptfaktor ist das eigene Erleben, die Art und Weise, wie die Realität auf einen selbst einwirkt, mit einem Wort, wie wir diese Realität wahrnehmen.

Krishnamurti hat immer wieder hervorgehoben, dass der Prozess der Transformation unlösbar verknüpft ist mit der Frage der richtigen Beziehung nicht nur zu sich selbst und anderen Menschen, sondern zum ganzen Universum, zur Natur, der Umgebung, in der wir leben, der Erde, die uns hervorgebracht hat.

Daher kann sich der Prozess der Transformation nicht im Elfenbeinturm vollziehen, in asketischer Einsamkeit, welche letztlich auch eine subtile Form von Egozentrismus darstellt, sondern nur in aktiver Beziehung zum Leben als Ganzes. Religion in wahren Sinne verlangt viel Engagement und Ernsthaftigkeit und eine kritische Einstellung zu sich selbst in allererster Linie.

Aus dem Erkennen der eigenen Bewusstseinsstrukturen, dem Funktionieren des Denkprozesses, der Destruktivität von Idealen, Ideen und sogenannten Moralanschauungen, der Gewalttätigkeit eines auf Disziplin und Unterwerfung gegründeten Erziehungssystems und der unmittelbaren Gefahr für den Weltfrieden, den die Verfolgung von Ideologien und sogenannten ‘politischen Lösungen’ von menschlichen Konflikten darstellt, folgt unmittelbare Aktion, ein spontanes Handeln, ein Handeln, das nicht aus dem Denken resultiert, aus irgendeiner Motivation oder einem Ideal, sondern aus wacher Intelligenz und freier Affektivität unmittelbar sich ergibt.

Lehnt man Terrorismus und Anarchie ab und auch all die blutigen Revolutionen, die zu nichts geführt haben, und lehnt man es ebenfalls ab, wie ein Geck in die Luft zu blasen, dann ist man immer wieder ganz am Anfang angekommen, nämlich bei der Frage, wo denn nun die Angst herkam, und wie man Menschen helfen kann, diese Lebensangst aus dem Weg zu räumen und zu überwinden?

Zum Bewusstseinsinhalt

Der Inhalt des Bewusstseins besteht aus allen an Körper und Seele erlebten Begebenheiten, die unauslöschlich im Gedächtnis eingeprägt sind.

Zum anderen besteht er aus den, vom Gedächtnis nicht ohne weiteres abrufbaren, Elementen, die man in das individuelle und das kollektive Unbewusste einteilen mag.

Es war vor allem Sigmund Freud, der die grundsätzliche Spaltung zwischen Bewusstem und Unbewusstem und die subtile Kommunikation beider Bereiche durch Träume, Fehlleistungen, Unfälle oder Somatisierungen herausgearbeitet hat.

Eine bedeutende Feststellung Freuds war, dass Erfahrungen, die traumatischen Charakter haben, das heißt, die über das hinausgehen, was das Bewusstsein, um nicht aus den Fugen zu geraten, sprich: in Wahnsinn zu verfallen, ertragen kann, ins Unterbewusstsein verdrängt werden. Sie sind dadurch dem bewussten Gedächtnis entzogen.

Dieser Schutzmechanismus des menschlichen Gehirns ist augenscheinlich besonders wichtig beim kleinen Kind, bei dem ob der totalen Abhängigkeit von seiner Umwelt, insbesondere seiner Eltern, die Grenze dessen, was das Bewusstsein erträgt, recht schnell erreicht ist.

In Anbetracht der kinderfeindlichen Strukturen in fast allen sogenannten zivilisierten Kulturen der Welt, mit all ihren groben oder subtilen Misshandlungen und Dressurmechanismen, die von sogenannten Pädagogen am Kind ausgetobt werden, erscheint es nicht verwunderlich, dass der Inhalt des individuellen Unbewussten beim zivilisatorisch dressierten Menschen beachtlich ist; daraus folgt logisch, dass das Bewusstsein von homo normalis eher schmal ausfällt.

— Siehe Alice Miller, Am Anfang war Erziehung (1986/2008).

Durch die vielen Zivilisationszwänge, aber auch durch traumatische Kindheitserlebnisse bedingte Verdrängungen, entstand beim Zivilisationsbürger eine überaus starke Separation zwischen bewusstem und unbewusstem Bewusstseinsinhalt, dergestalt dass die meisten Menschen vor allem der okzidentalen Kultur sich mehr oder weniger vollständig von ihrem Unbewussten abgekoppelt haben.

Die Folge sind Desintegrationen und Fragmentierungen der Persönlichkeit, ein zersplittertes Lebensgefühl, ein Entbehren von ganzheitlich intuitiven Lebenserfahrungen und damit destruktive Fehlentscheidungen, die die Menschheit nach nur ein paar Tausend Jahren an den Rand des Abgrunds gebracht haben.

Allerdings zeigt Krishnamurtis eigener Werdegang, dass kindliche Traumata, die er selbst erleben musste, nicht dazu führen müssen, dass jemand von solchen negativen Erlebnissen auf immer geprägt wird.

— Siehe, zum Beispiel, J. Krishnamurti, Krishnamurti’s Journal (1987) und Mary Lutyens, Krishnamurti: The Years of Fulfillment (1983), mit weiteren Nachweisen.

Im Gegenteil kann man immer wieder beobachten, dass alle unsere Lebenserfahrungen, vor allem die frühen, etwas zu tun haben mit unserer eigentlichen Lebensaufgabe. Allerdings hat unser Unterbewusstsein auch die Funktion, unsere schmerzlichen Erinnerungen in gewisser Weise diskret von unserem Wachbewusstsein fernzuhalten. Diese Funktion ist vor allem für das Kind von lebenswichtiger Bedeutung.

Nun sagt Krishnamurti bekanntlich, die Aufspaltung zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein sei artifiziell, von den Psychologen erfunden. Im Zusammenhang damit griff er stets die These der Psychologen und Psychoanalytiker an, dass Träume zur gesunden Funktion des Bewusstseins notwendig seien. Er pflegte dann lakonisch hinzuzufügen, er selbst habe nie geträumt.

Es erscheint folgerichtig, dass, wenn keine Spaltung zwischen bewusstem und unbewusstem Bewusstseinsinhalt bestünde, Träume, welche sozusagen Bindeglieder sind zwischen beiden Bereichen, ihre Funktion verlören — und damit wohl auch ihre Existenz. Denn Träume dienen uns dazu, gleichsam Schlaglichter auf unser Unterbewusstes zu werfen, um uns mit diesem in ständiger Verbindung zu halten. Eine totale oder überwiegende Abkoppelung durch Verdrängen auch noch der Träume und anderer Manifestationen des Unterbewusstseins, führt daher fast zwangsläufig zu einer der vielen Zivilisationsneurosen kommen muss, zu deren somatischen Folgen: Herzinfarkt, Alzheimer, Rheumatismus, Krebs und Aids.

Nun mag es vorkommen, dass das Bewusstsein eines individuellen Menschen so ganzheitlich strukturiert ist, dass es zu keiner Aufspaltung zwischen bewusstem und unbewusstem Bewusstseinsinhalt gekommen ist, oder dass eine solche Aufspaltung durch intelligente Innenschau, Meditation, Zen–Praktiken, oder wie auch immer, wieder rückgängig gemacht wurde, mit der Folge einer ganzheitlichen oder holistischen Weltschau.

Der östliche Weise oder der westliche Mystiker kommen dem Archetyp eines solchen Individuums nahe. Im Falle von Krishnamurti spricht manches für die Annahme, dass er zu den Wenigen gehörte, die von Kind an eine holistische Weltschau hatten und sich diese durch keine auch noch so brutalen Erziehungsfoltern nehmen liess. Es ist bekannt, dass K. sich beharrlich weigerte, jede Art von Schulwissen in sich aufzunehmen und dafür fast jeden Tag von seinem Lehrer mit dem Stock geprügelt wurde und danach Stunde allein auf der Veranda des Schulhauses verbringen musste. Das Kind weigerte sich intuitiv gegen jede Art von Fragmentierung seiner ganzheitlichen Innenschau.

Denn es besteht kein Zweifel, dass jede Wissensübernahme, jeder nur intellektuelle Lernprozess die Gefahr einer solchen Fragmentierung in sich birgt. Diese Wahrheit steht wohl als tieferer Sinn hinter der biblischen Geschichte von Adam und Eva und dem Verbot Gottes, die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu essen. Nur eine entwickelte Intelligenz, wie sie Adam und Eva vielleicht noch nicht hatten, kann dieser Gefahr durch ein waches Bewusstsein und einer passiven Verfolgung aller Denkprozesse — ganz wie es K. lehrte — entgegenwirken.

Im individuellen Unbewussten enthalten ist das sogenannte kollektive Unbewusste, der gesamte bereits aus archaischer Zeit stammende und ständig sich vergrößernde gemeinsame Schatz der Menschheit — im Okkultismus auch universelles Gedächtnis oder Akasha genannt. Es sind dies Daseinszustände und Erfahrungsinhalten der Menschen, die sich uns in der Form von Mythen, Symbolen, Ritualen und Archetypen, also in einer verschlüsselten Weise, darbieten.

Carl–Gustav Jung hat dies hervorragend erläutert, obwohl die Kenntnis um das Vorhandensein eines kollektiven Unterbewussten den okkulten Wissenschaften in allen Hochkulturen der Menschheit seit Jahrtausenden eine Selbstverständlichkeit war.

Krishnamurti hat diesen Sachverhalt sehr einfach formuliert, indem er sagte ‘You are humanity!’ und erklärte, dass im menschlichen Bewusstsein die ganze Vergangenheit der Menschheit enthalten sei und daher jeder Einzelne die Menschheit repräsentiere. Daraus folgerte K., dass wir dann auch alle am gleichen Bewusstseinsinhalt teilhaben. Dies, bezogen auf das kollektive Unbewusste als Teil des unbewussten Bewusstseinsinhalts ist auch zweifellos richtig. K. ging aber noch weiter, indem er daraus wiederum folgerte, dass alle Menschen auch den gleichen individuellen Bewusstseinsinhalt hätten.

Aus dem bereits Dargelegten geht hervor, dass diese Ansicht eine Vergröberung der wirklichen Sachlage darstellt. Eine solche Annahme vermischt den kollektiven mit dem individuellen Bewusstseinsinhalt und zieht eine Schlussfolgerung, die offensichtlich nur für ersteren gilt, auch für letzteren. Dies rührt ganz augenscheinlich aus der Weigerung Krishnamurtis, eine Unterscheidung zwischen individuellem und kollektivem Bewusstseinsinhalt vorzunehmen. Nun erscheint es aber doch so, dass wir zwar wohl alle mehr oder weniger den gleichen kollektiven, aber nicht den gleichen individuellen Bewusstseinsinhalt haben.

Bewusster und unbewusster Bewusstseinsinhalt

Das Unterbewusstsein eines Menschen ist sozusagen die Rümpelschublade, in die alles hineinfliegt, was vom Bewusstsein nicht verkraftet werden kann. Wenn zum Beispiel ein Kind von seinen Eltern und seiner Umwelt alles, was mit Sexualität zu tun hat, als verboten, schmutzig, ekelerregend und erniedrigend vermittelt bekommt, wozu es vielfach schon genügt, das ganze Gebiet zu tabuisieren, indem man nicht darüber redet, so wird der spätere Erwachsene seine Sexualität überwiegend aus seinem Unterbewussten heraus leben, also in Fantasien, Träumen, schmutzigen Witzen, Pornographie oder nächtlichen Pollutionen, und nur in einem sehr beschränkten Masse mit seinem Bewusstsein.

Für ihn ist Sexualität vielleicht nur ehelicher Verkehr mit dem Ziel der Zeugung. Es versteht sich von selbst, dass verdrängte Bereiche für die Betroffenen Quellen des Unwohlseins darstellen, weil solche Bereiche des Lebens den bewussten Kontrollmechanismen weitgehend entzogen sind.

So lässt sich verallgemeinern, dass bei stark repressiv–strafender Erziehung mit vielen Tabus und körperlich–seelischer Gewaltanwendung aus den dann herangewachsenen Kindern Bürger werden, Menschen, die mit einem sehr beschränkten Teil ihres Bewusstseins leben, die die meisten ihrer täglichen Handlungen aus ihnen nicht bewussten Antrieben heraus vollziehen und die, spricht man nur geschickt ihr Unterbewusstes an, sehr leicht lenk– und manipulierbar sind.

Die kommerzielle Werbung und das, was man so gemeinhin Politik nennt, nutzen dieses Phänomen ganz bewusst zu ihren Gunsten aus. Die andere Seite der Medaille aber ist, dass solche Menschen — zweifelsohne die Mehrheit der Weltbevölkerung — an einem ständigen Unwohlsein, einer kontinuierlichen Malaise, leiden, jedoch meist, ohne dessen überhaupt gewahr zu werden. Denn einmal gibt es so viele Mittel und Wege, Bewusstwerdung zu unterbinden, wobei Alkoholmissbrauch, Überkonsum von Fernsehen und ständiger Bedarf an Beruhigungsmitteln nur die augenscheinlichsten sind, und zum anderen gehört zu einer solchen Bewusstwerdung das Gefühl, sich geistig–körperlich wirklich wohl zu fühlen. Ich möchte hier nicht auf die weiteren Folgen einer solchen Erziehung eingehen, denn in dieser Arbeit interessieren nur ihre Auswirkungen auf das Bewusstsein.

Es ist offenbar, dass der — bewusste — Bewusstseinsinhalt eines solchen Menschen, also der Teil des Bewusstseins, der erinnert wird und kontrollierbar ist, einen ganz anderen darstellt, als der eines schöpferisch frei und mit Empathie, Achtung und Toleranz aufgezogenen Menschen. Nach Krishnamurtis Lehre wären beide Menschen als konditioniert zu bezeichnen. Das ist auch durchaus richtig, denn jede Erziehung bringt zwangsläufig auch eine gewisse Konditionierung mit sich. Die Frage ist aber doch wohl nicht, jede Konditionierung aus der Erziehung zu eliminieren, denn dies wäre eine Utopie, sondern schädlicher von notwendiger oder harmloser Konditionierung zu trennen.

Man wird wohl kaum abstreiten können, dass ein Chinese auf chinesisches Essen und ein Italiener nun einmal auf italienisches Essen konditioniert sind. Gleichzeitig aber wird wohl kaum jemand annehmen, dass das zum Schaden eines Menschen oder der Menschheit gereicht und man deswegen eine einheitliche internationale Küche einführen sollte. Bereits die Idee erscheint absurd.

Aber vergleicht man einmal zwei Menschen an dem, was sie getan haben in ihrem Leben, sagen wir Adolf Hitler und Pablo Picasso, und schaut sich dann die Kindheit beider Männer an, so wird man sehr schnell verstehen, was hier gemeint ist. Sie unterscheiden sich sicherlich auch darin, dass sie beide auf ihre jeweilige nationale — österreichische oder spanische — Küche hin konditioniert wurden. Aber diese Art der Konditionierung hat sich sicherlich kaum auf ihre Taten ausgewirkt.

Kaum jemand wird wohl annehmen, dass die österreichische Küche die Menschen anfälliger für Judenhass mache als die spanische; ebensowenig wird man auf die Idee kommen zu behaupten, nur wer mindestens einmal pro Woche Paella bekomme, könne wie Picasso malen.

Während Millionen Menschen mit Tod und Verfolgung bezahlen mussten, damit das misshandelte Kind Adolf Hitler seine Fantasien in unkontrollierter und unkontrollierbarer Gewalt und Zerstörung austoben konnte, wurde bei Picasso das ganze riesige Potential des Bewusstseins dieses in Liebe und Achtung aufgewachsenen Kindes in schöpferischer Kraft ausgelebt. Beide waren natürlich konditioniert, aber dennoch lebte ersterer fast nur mit seinem Unterbewusstsein und letzterer fast nur mit seinem Bewusstsein. Warum?

Die schweizerische Psychoanalytikern Alice Miller (1923–2010) hat sich dieser Fragen mit grosser Hingabe und noch grösserer Kompetenz gewidmet. Sie hat dazu beigetragen, den Holocaust aus dem gefährlichen weil verantwortungsfreien Dämmerlicht des Mythisch–Fatalistischen herauszuführen und ins Licht des Bewusstseins zu stellen. Und dies mit einer solchen Klarheit und mit so vielen Fakten, dass es nicht mehr leicht abzuleugnen ist, dass wir alle letztlich für die Horror in dieser Welt, die immer und ohne Ausnahme mit dem Grauen beginnen, das wir im Leben unserer Kinder inszenieren, verantwortlich sind.

— Siehe Alice Miller, Das verbannte Wissen (1988).

Insofern argumentiert sie, ohne dies vielleicht bewusst zu wollen, ganz auf der Linie Krishnamurtis und anderer spiritueller Lehrer. Weitergehend jedoch, als diese, bringt Alice Miller aus ihrer Erfahrung als Analytikerin Einsichten ein, die spezifisch mit den Kindheiten der Menschen zu tun haben, deren Leben sie genauer untersuchte.

Individuelles und kollektives Unterbewusstsein

Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich das kollektive Unterbewusstsein vom individuellen Unterbewusstsein darin, dass es uns allen gleichermaßen angehört. Denn seine Existenz hat nichts mit unserem individuellem Lebenslauf zu tun, sondern wird uns entweder durch die Erbmasse mitgegeben, oder aber wir haben Teil an diesem universellen Bewusstsein durch unsere Einbettung in das, was man den Weltgeist oder auch anders nennen könnte.

Um auf das Beispiel zurückzukommen: es fällt auf, dass beide Männer, Picasso und Hitler, in beachtlichem Masse von kollektiven Bewusstseinsinhalten beeinflusst waren.

Das Swastika, das sogenannte Hakenkreuz der Nazis, das Hitler als Emblem für seine Ideen wählte, wie die bei Picasso in Zeichnungen immer wieder auftauchenden Minotauren, mythischen Gestalten, halb Tier, halb Mensch, die unschuldige Mädchen vergewaltigen, sind dafür Beispiele. Das Swastika ist ein altes magisches Symbol, das in der indischen Tradition seinen festen Platz hatte. Die Figur des Minotaurus gehört der altgriechischen Sagenwelt an. Von beiden Kulturkreisen wurde unsere europäisch–okzidentale Kultur und damit unser Gedankengut entscheidend beeinflusst.

Der Unterschied in der Verwendung dieser dem Menschheitserbe angehörenden Symbole oder Archetypen bei Picasso und Hitler besteht aber darin, dass bei Hitler Symbole und Riten zu mörderisch–destruktiven Zwecken verwandt wurden, während bei Picasso die Aggressivität des männlichen Eroberungsdranges, für den der Minotaurus symbolisch steht, in schöpferische Kraft und künstlerischen Ausdruck transzendiert wurde.

Stellt man individuellen und kollektiven Bewusstseinsinhalt auf eine Stufe, so verkennt man die an diesem Beispiel aufgezeigte Verschiedenartigkeit des individuellen Bewusstseinsinhaltes einzelner Menschen. Denn wie am Beispiel gezeigt, hängt auch die Verwendung, entweder brutal–destruktiv oder transzendiert–konstruktiv. des Materials, das uns das kollektive Unbewusste liefert, davon ab, wie unser individueller Bewusstseinsinhalt strukturiert ist, das heißt, ob er grundsätzlich integrativ oder grundsätzlich desintegrativ funktioniert.

Zur weiteren Verdeutlichung mag man sich vergegenwärtigen, wie verschiedenartig doch die Erfahrungen sind, die ein Mensch von frühester Kindheit an machte und vielleicht schon von früheren Leben mitbringt, und die ihn prägen.

Obwohl fast überall auf der Welt grundsätzlich repressiv–strafende Erziehungsstrukturen bestehen, kam doch immer dieser besser und jener schlechter weg. Folgende Beispiele mögen dies erläutern.

  • Das Kind war nicht gewollt und die Feindseligkeit seiner Mutter geht ihm sprichwörtlich unter die Haut. Bei der Geburt ist die Mutter verkrampft und schreit viel, was den natürlichen Geburtsakt zur ersten wirklich traumatischen Erfahrung für das Baby werden lässt. Im Anschluss daran wird gegen das arme Kind das ganze wohlbekannte Arsenal an körperlicher und seelischer Gewalt losgelassen, dessen Kultivierung der Mensch Jahrtausende seines Denkens widmete: das Kind wird häufig alleingelassen und sieht sich fürchterlichen Visionen des Verlassenseins ausgesetzt und schließlich folgt der Terror der Disziplinierung und Pädagogisierung des Kindes mit seinem systematischen Abtöten der intuitiv–emotionalen Fähigkeiten des Kindes und seiner mehr oder weniger stringenten intellektuellen Dressur.
  • Ein Kind, das liebende Eltern hat, die es sich gewünscht haben, und die sich des vorgenannten Sachverhalts wohl bewusst sind und ihrem Kind eine Chance geben wollen, inmitten dieser durchaus widrigen Welt einen Platz zu finden. Den Eltern ist nicht die Unterwerfung des Kindes oder seine Disziplinierung und Anpassung an gegebene Normen oberstes Ziel, sondern die Entwicklung der Eigenpersönlichkeit des Kindes. Sie widmen ihrem Kind daher soviel Zeit, Aufmerksamkeit, Sorge, Geduld, Hilfe und Toleranz, wie es gerade braucht in den verschiedenen Phasen seiner Entwicklung, um zu einem ausgeglichenen und emotional reichen Menschen zu gedeihen, der dann seinerseits Mitgefühl, Aufmerksamkeit und Sensibilität für seine Umwelt und Mitmenschen mitbringt.

Zwischen diesen beiden extremen Beispielen gibt es natürlich hundertfache Abstufungen, die eben die Buntscheckigkeit und Verschiedenartigkeit der Menschen ausmachen. Wie du mir, so ich dir! — lautet die goldene Regel nicht nur des Kinderspiels, sondern des ganzen menschlichen Reaktionsbereichs.

Das individuelle Bewusstsein, sowohl sein bewusster wie sein unbewusster Teilbereich, wird durch die Primärszene entscheidend geprägt.

Wer Gutes erfuhr, wird Gutes geben. Wer Böses erfuhr, wird später seinen Mitmenschen Böses zufügen. Das ist das, was K. sehr anschaulich als Reaktion bezeichnete, die das durch frühere positive oder negative Erfahrungen geprägte Bewusstsein automatisch auslöst, wenn ein entsprechender Reiz vorausgeht.

Gerade hier aber unterscheiden sich die herkömmlichen Konzepte der großen Religionen, die allesamt auf disziplinarische Mittel zurückgreifen, und damit das Phänomen der Reaktion verstärken, statt es zu schwächen, von Krishnamurtis Ansatz. Während nämlich alle diese strafenden Ansätze letztlich auf der Repression von Emotionen beruhen, lässt Krishnamurtis Ansatz den Emotionen ihre Existenzberechtigung.

Nur durch die passive Beobachtung und ein wirkliches Verstehen dieser Prozesse, sei ein Zustand zu erreichen, in dem die vom Inhalt des Denkens und der Vergangenheit vorprogrammierten Reaktion, ein Ende finden könne und durch ein intelligentes und sensibles Handeln ersetzt werde.

Die Rolle der Emotionen

Krishnamurti rechnete alle Emotionen zum Denken und verstand sie damit als Bestandteile des Ego. Goethe sagte ‘Was hat Liebe mit Verstand zu tun?’ und Max Heindel schrieb in seinen Rosenkreuzkonferenzen, das innere Leben habe zwei Seiten, das der Seele, das in Beziehung stehe mit den Emotionen und Gefühlen, und der Tätigkeit des Ego, die durch die Gedanken sich entfalte.

Es gibt natürlich auch »gedachte« Emotionen. Aber jemand, der nur mit gedachten Emotionen und Gefühlen lebte, wäre sehr zu bedauern: denn bei ihm wäre die rechte Gehirnhälfte praktisch außer Kraft gesetzt; er würde das Leben lediglich mit dem Intellekt erleben, also nicht wirklich empfinden; sein Emotionalbereich wäre gleichsam intellektualisiert.

Im Normalfall gehören die Emotionen sicherlich nicht dem Denken an. Sie führen vielmehr ein Eigenleben und dieses Leben ist zum Teil das Leben des Körpers. Ohne zum Denken zu gehören, sind die Emotionen jedoch Bestandteil des bewussten und unbewussten Bewusstseinsinhalts. Wenn es auch wahr ist, dass das Denken regelmäßig an die Vergangenheit anknüpft, so gehören die Emotionen doch immer der Gegenwart an. Emotionen der Vergangenheit, die erinnert werden, sind eben Teil des Denkens, also erinnerte Emotionen und damit desintegriert aus dem gegenwärtigen Geschehen. Für sie gilt das das Gleiche, was in diesem Text allgemein über die Reintegration der Vergangenheit in die Gegenwart ausgeführt wird. In der Gegenwart zu leben ist nur möglich, wenn die gegenwärtigen Emotionen und Gefühle weder durch Gedanken, noch durch gedachte Emotionen und Gefühle der Vergangenheit beeinträchtigt werden.

Ein kontinuierlicher Prozess der Reintegration vergangener Gedanken, Emotionen und Gefühle in die Gegenwart nimmt diesen die psychische Energie. Ohne diese Energie sind sie zwar weiterhin Bestandteil des Bewusstseinsinhaltes, aber sie beeinträchtigen das gegenwärtige Geschehen nicht mehr.

Krishnamurti hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es weder weise ist noch spirituell, Emotionen zu unterdrücken, sondern dass verantwortliches Handeln damit beginnt, unsere Emotionen verstehen zu lernen. Dieser Aspekt steht im Vordergrund von Krishnamurtis erzieherischem Ansatz. In der Schrift Beginnings of Learning (1986) weist er Jugendliche darauf hin, dass sie bereits in ihrem Alter, und nicht erst als Erwachsene, die Verantwortung haben für das Verstehen und konstruktive Leben und Erleben ihrer Emotionen.

Änderung des Bewusstseins

Was meinte Krishnamurti wohl mit seiner Formulierung, zur Transformation seines Denkens müsse der Mensch seinen Bewusstseinsinhalt entleeren?

Nach dem bisher Dargelegten meinte K. damit wohl, man solle sich von den Erinnerungen an seine Vergangenheit lösen, von all dem gespeicherten Wissen vergangener Frustrationen, Demütigungen, aber auch positiver emotionaler Erlebnisse. Dieses Wissen, so K., konditioniere das Denken in der Gegenwart und daher stelle Leben für die meisten Menschen Leben in der Vergangenheit dar.

Noch weitergehend erklärt K., dass das Denken als solches immer der Vergangenheit angehöre, also die wirklichen Geschehnisse in der Gegenwart in Wahrheit nie erfassen könne. Letzteres sei vielmehr nur in einem Zustand gesteigerter Aufmerksamkeit möglich, der mit dem Denken nichts zu tun habe und nur auf der Grundlage eines erhöhten Energiepotentials überhaupt erreicht werden könne.

Ein solcher Zustand könne im übrigen in keiner Weise, auch nicht durch das was man so gemeinhin Meditation nennt (Techniken, Praktiken, Rezepte zum Unterbrechen des unendlichen Flusses der Gedanken), induziert werden, sondern müsse sich spontan ergeben. Denn die Induktion eines solchen Zustandes geschehe zwangsläufig mit einem Ziel, einer Absicht, einer Motivation, die aber ihrerseits wieder dem Denken entspringt.

Es stellt sich also die Frage, wie eine solche Abkoppelung von der Vergangenheit zustande kommen kann?

Sicherlich nicht durch ein bloßes Vergessenwollen der Vergangenheit, durch eine Verdrängung des bewussten Bewusstseinsinhaltes, der sich auf alle Erlebnisse und Erfahrungen der individuellen Vergangenheit erstreckt, ins Unbewusste. Denn das würde in keinem Fall zu einer Befreiung von der Vergangenheit, sondern zum genauen Gegenteil, nämlich zu einer völlig unkontrollierten Einflussnahme der Vergangenheit auf das gegenwärtige Geschehen, führen.

In diesem Falle würden die positiven, aber noch viel mehr die negativen, Erfahrungen und Erlebnisse der Vergangenheit in das gegenwärtige Denken und Handeln, in alle zu treffenden Entscheidungen, hineinwirken, ohne dass der Betroffene sich darüber im klaren wäre. Er hätte vielmehr den Eindruck, völlig frei und spontan zu handeln, in Wirklichkeit wäre er aber nicht mehr Herr seiner Taten, da er unbewusst vergangene Bewusstseinsinhalte reproduziert, wiederholt und repetitiv durch sein Handeln hervorbringt. Wir hätten es hier mit dem in der Psychoanalyse wohlbekannten unbewussten Wiederholungszwang zu tun.

Zum Beispiel könnte ein solcher Mensch annehmen, frei von Angst zu sein oder auch bezüglich der Sexualität, keine Schuldgefühle mehr zu haben, während er doch in Wirklichkeit sein Leben äußerlich so eingerichtet hat — durch jede Art von Komfort, äußerer Sicherheit, dem Beschütztsein durch einen Freundeskreis, der die eigene Weltanschauung teilt, das Anhängen an ein spirituelles Ideal und weiteres mehr — dass Situationen, in denen Angst oder Schuldgefühle auftauchen könnten, möglichst ausgeschaltet wurden.

In sexueller Hinsicht könnte es sein, dass der oder die Betroffene sich einredet, Sexualität sei ‘schließlich ein Produkt der Angst’ und angstfreie Menschen seien ‘daher logischerweise nicht sexuell bedürftig.’

Oder aber man argumentiert, Sexualität sei eine Form von Gewalt und wenn der Mensch die ‘wahre Affektion’ gegenüber allen anderen Menschen entwickelt habe, brauche er keine Sexualität mehr.

Das Problem liegt wohl tiefer. Es geht nicht nur vordergründig um Sexualität, sondern, wie bereits erwähnt, um die Rolle der Emotionen. Sicherlich ist es wahr, dass ein Übermaß an sexueller Aktivität oder auch zu heftigen und zu häufigen emotionalen Reaktionen wie Zorn, Wut, Enthusiasmus oder pathetischem Elan den Energiehaushalt des Körpers negativ belastet. Das trifft aber auf jede Art von Übermaß zu, was schon Buddha durch seinen Weg der Mitte zu korrigieren suchte. Auch in der altgriechischen Kultur hat die Bewegung der Epikuräer bereits diese wahrhaft weise Ansicht vertreten.

Krishnamurti betonte immer wieder, dass es nicht darauf ankomme, für oder gegen Sexualität zu sein, sondern die Funktion der Sexualität zu verstehen.

— Siehe zum Beispiel, J. Krishnamurti, Commentaries of Living, 2nd Series (1986), 56, ‘Chastity.’

In seinem Buch Education and the Significance of Life (1978) erklärt K. darüber hinaus, dass Sex letztlich die einzige Form von Kreativität ist, die wir als konditionierte Wesen noch besitzen. In einem vollkommen unkreativen Leben ist Sex in der Tat die einzige noch verfügbare Quelle von Kreativität. Krishnamurti argumentiert, Sex sei in unserer Kultur vielfach ein Mittel, vom Denken, von unseren überstarken Egos wegzukommen, und sei es nur jeweils für einen kurzen Augenblick:

Eingepfercht wie wir sind von allen Seiten, wird Sex natürlich für uns eine Erfahrung, die wir immer wieder brauchen, weil sie uns für einen Moment in einen glückvollen Zustand versetzt, der dadurch zustande kommt, dass wir das Selbst vergessen. Sex ist kein Problem, sondern das Verlangen, Lust immer und immer wieder zu erhalten auf aufrecht zu erhalten, ob dies nun sexuelle Lust oder andere Lust ist.

— J. Krishnamurti, Education and the Significance of Life (1978), 118, Übersetzung meine).

Das Problem ist nicht Sex, sondern der Teufelskreis eines aufgeblähten Intellekts, der die emotional–intuitive Seite unserer Ganzheit unterdrückt und uns damit fragmentiert. Sex bekommt dann überragende Bedeutung als ein, wenn auch kurzzeitiges, Ganzheitserlebnis.

Es ist augenscheinlich, dass der Mensch das Denken als solches nicht aufgeben kann. Das hat selbst Krishnamurti nicht behauptet. Das Denken ist ein zwar mechanischer und durchaus materieller, aber doch funktionaler Prozess, ohne den der Mensch einfach nicht existieren kann. Es stellt sich also lediglich die Frage, wie dieser Prozess des Denkens solchermaßen transformiert werden kann, dass sein Inhalt sich ändert, das heißt, dass er nicht mehr von der Vergangenheit beherrscht und ständig aufs Neue konditioniert wird, sondern sich der Intelligenz des momentanen Erlebens, des Jetzt, des Präsens, unterwirft?

Ich möchte an dieser Stelle einige typische Zustände beschreiben, die jeder von uns kennt, sei es aus eigener Erfahrung oder aus der Hand des Poeten, in denen spontan ein augenblickliches und intelligentes Handeln in der Gegenwart sich einstellt.

K. hat selbst immer wieder den Moment unmittelbar bevorstehender Gefahr zitiert und die direkte Aktion, die sich in solchen Momenten bei uns einstellt, um der Gefahr für Leib und Leben wirksam zu begegnen.

Es gibt allerdings Menschen, und das sollte man bei solchen Schulbeispielen nicht verschweigen, die durchaus so sehr im Netz ihrer Gedanken gefangen sind, dass selbst eine solche direkte Lebensgefahr sie nicht zu spontanem Handeln wird bewegen können.

Dazu gehören all die Menschen, die bei solchen Situationen gelähmt vor Schrecken sind und außerstande, einen klaren Gedanken zu fassen und eine dem Geschehen angemessene und daher blitzschnelle Entscheidung zu treffen. Stattdessen jagen sich die Gedanken im Kopf solcher durch die Angst paralysierter Individuen.

Solche Gefahrenmomente sind jedoch bei weitem nicht die einzigen Situationen, in denen wir uns spontan von unserem Denken — und damit unserer Vergangenheit — lösen und unmittelbar in der Gegenwart agieren. Jeder, der einmal in seinem Leben wirklich geliebt hat, weiß, welch eine Intensivierung des Lebensgefühls, des Jetzt–Empfindens, welch ungeheures Präsensgefühl dieser außergewöhnliche Zustand vermittelt und wie viel Schönheit damit verbunden ist.

Unsere grossen Poeten haben zu allen Zeiten diesen Zustand beschrieben und besungen und nannten ihn zu Recht göttlich oder ewig. Denn die Zeit scheint während seiner Existenz ihre Macht über unser Geschick verloren zu haben. Daher rührt der Ausdruck ‘ewige Liebe;’ er meint nicht etwa den auf einer psychologischen Verwechslung beruhenden Sachverhalt, dass Liebe ewig andauere. Nur solange das Gefühl Liebe anhält, scheint die Zeit ausgeschaltet zu sein. Das bedeutet aber nicht, wie oft fälschlich und vor allem moralisierend angenommen wird, dass Liebe wirklich ewig anhielte. Jeder Mensch, der nicht zu denen gehört, die sich ständig belügen, weiß wie lange eine Liebe in der Regel währt — einige Wochen oder Monate, manchmal einige wenige Jahre, selten länger. Nun melden sich natürlich gleich diejenigen zu Wort, die behaupten, eine solche Liebe, sei überhaupt keine Liebe, sondern Sex.

Diese Annahme beruht auf einer weiteren psychologischen Verwechslung. Sex hat mit Liebe im Grunde nichts zu tun, das Gefühl der Liebe ist nicht von sexuellen Gefühlen abhängig. Aber auch dieses von sexuellem Verlangen durchaus freie Liebesgefühl hält nicht über längere Zeiträume hinweg an.

Wie K. selbst immer wieder hervorhob, ist der Hauptgrund von Gewalt und Zerstörung auf dieser Erde und der Unmöglichkeit von Liebe in einem universellen Sinne unsere Fragmentierung. Wir sind aufgespalten, zersplittert, desintegriert.

Diese Einsicht Krishnamurtis ist übrigens durchaus nicht neu. Seit Urzeiten ist Bestandteil des mythischen Wissens der Menschheit, das wiederum Teil des kollektiven Unbewussten ist, dass das Böse aus der Fragmentierung entsteht, und das Gute aus dem Zustande der Einheit, des Ganzseins, des Heilseins — der Heiligkeit — hervorgeht. Die beiden Wörter »heil« und »heilig« sind nämlich stammverwandt, und dies ist im Englischen ebenso mit ‘whole’ und ‘holy’ und in Französischen mit «sain» und «saint».

In den romanischen Sprachen, die auf das Lateinische zurückgehen, ist dies etwas anders. Im Lateinischen heißt heilig sanctus, im Französischen saint und ganz heißt lateinisch totus, und wurde im Französischen zu total oder entier. Aber es gibt auch im Französischen ein Wortpaar, das das hier Gemeinte ausdrückt. Es handelt sich um die Wörter sain (gesund) und saint (heilig). Die beiden Wörter unterscheiden sich in der Tat nur wenig, und drücken auch etwas sehr Ähnliches aus. Heilig kann nur sein, was gesund ist, nicht krank, nicht zersetzt, zerspalten, desintegriert, in Auflösung befindlich.

Wer sich ein wenig mit den alten Mythen der Menschheit, der Jungschen Psychoanalyse oder dem Tarot befasst hat, weiß, dass die Inkarnation des Bösen immer unheil ist im Sinne von uneins, desintegriert, aus verschiedenen nicht zusammengehörigen Teilen bestehend.

Die sagenhaften Mischungen aus Mensch und Tier gehören dazu, die Monster, Drachengestalten und Hydras und schließlich, der Teufel. Im Tarot de Marseille ist der Teufel auf der dreizehnten Karte abgebildet, ein Wesen, das in jeder Hinsicht uneinheitlich, desintegriert, fragmentiert und daher unheil, unheilig wirkt. Kein Detail dieser Figur scheint zum anderen zu passen. Sie ist androgyner Natur und stellt sich als absurde Anhäufung verschiedener Teile dar. Sie trägt das Geweih eines Hirsches und hat doch die Klauen eines Raubvogels und die Flügel einer Fledermaus. Sie stellt sich als Mann dar, aber besitzt die Brüste einer Frau — oder, genauer vielleicht, trägt sie, da sie wie etwas Aufgestecktes oder Angemaltes erscheinen. Gleichzeitig ist aber nicht zu vergessen, dass der Teufel als dunkler oder gefallener Engel an der Seite Gottes gesessen hatte. Seine ursprüngliche Ganzheit oder Heiligkeit steht also nicht in Frage.

— Sallie Nichols, Die Psychologie des Tarot (1986), 332

So wie diese archetypische Figur des Teufels es symbolisiert, desintegrieren wir uns ebenfalls ständig, werden wir immer wieder aufs Neu aus dem Paradies verjagt und helle Züge verwandeln sich in dunkle und teuflische, gute Absichten in schlechte Mittel und so fort. Der Zustand der Integration aber, des Ganzseins, einer holistischen Auffassung der Welt und des täglichen Geschehens kann nur durch ständige Arbeit gegen die Desintegration erreicht werden. Das Denken als solches neigt immer wieder dazu, zu zerteilen, was ganz ist, zu zersplittern, was heil ist, zu zerspalten und zu kategorisieren, was ursprünglich eine Einheit war, zu zerlegen wie ein Schlächter, zu sezieren wie ein Chirurg, zu ordnen wie ein Buchhalter, um abstrakte Schubladen des Denkens anzulegen und darin all das Wissen und die Erfahrungen eines Lebens zu verstauen.

Dieser Tendenz des Denkens kann man nur entgegenwirken, wenn man eine Reintegration desintegrierter Gefühle, Gedanken, Verlangen, Sehnsüchte und Erfahrungen herbeiführt. Auf welchem Wege man dies tut, bleibt persönlichen Neigungen oder individuellem Geschmack überlassen. Die einen versuchen es mit Zen, die anderen mit Yoga, andere gebrauchen Techniken der Psychoanalyse oder der Gestalttherapie, wieder andere fördern die Inhalte ihres Unterbewussten durch die regelmäßige Konsultation der Tarot und die Aufzeichnung ihrer Träume heraus; andere Techniken sind Astrologie oder Numerologie oder geomantische Divination, und überhaupt jedes Mittel, das zum delphischen Kenne dich selbst! führt.

Natürlich auch die Meditation im Sinne Krishnamurtis, obwohl diese Art von spontaner Meditation nicht jedermann liegt. Manche kennen diesen Zustand mehr oder weniger kurzzeitig beim Reiten, Ski– oder Autofahren, Fliegen, oder bei Spaziergängen in der Natur. Jeder Goethekenner weiß, was es für Goethe bedeutete, im Einklang mit der Natur sich zu befinden. Überhaupt kann man Goethes Pantheismus durchaus mit einer holistischen Weltschau gleichsetzen, obwohl sie früher eher arrogant als animistisch abgetan wurde und Goethe hat damit, wie die wenigen wahrhaft großen Geister aller Zeiten, das New Age lange vorausgenommen.

In den divinatorischen Künsten wie dem Tarot ist die Kette der Zeit nichts als eine Abfolge von Kausalitäten. Das Leben wird verstanden als Kette von Ursache und Wirkung. Die Gegenwart ist das Produkt der Vergangenheit und die Zukunft wiederum die Konsequenz unserer gegenwärtigen Handlungen und Motivationen. Daher ist der vermeintliche Blick in die Zukunft nicht Hexerei, sondern schlicht und einfach Offenbarung von gegenwärtigen, aber unbewussten, Gedankeninhalten und Motivationen und ihre Projektion auf die Zukunft, das heißt ihre Zusammenschau mit den kausalen Wurzeln, die sie hervorbrachten und dem individuellen Charakter der Person, die um divinatorischen Rat fragt.

Daraus lassen sich die Tendenzen zukünftigen Handelns auf einem Probabilitätsniveau erschließen. In der Astrologie, wie wir bereits gesehen haben, ist es ebenso. Auch hier geht es lediglich um Tendenzen, um Potentialitäten, die sich in Zukunft realisieren können. Wie sie sich im einzelnen realisieren, hängt von der Person ab, vom Grad ihrer Selbstkenntnis und ihrer Bewusstheit. Die Sterne neigen, aber sie bestimmen nicht, sagte Thomas von Aquinas, der nicht nur ein großer Theologe, sondern auch ein feinsinniger Astrologe war. Die Art der Divination hängt natürlich auch vom Lebensberater ab.

Abschließend lässt sich also resümieren, dass eine ‘Entleerung des Bewusstseinsinhalts’ mit einer Entleerung im wörtlichen Sinne kaum etwas zu tun hat. Es geht vielmehr um eine Offenlegung, eine Bewusstmachung, ein Zutagefördern unbewusster Inhalte des Bewusstseins mit dem Ziel ihrer Integration. Das menschliche Gehirn ist kein Tonband, das man einfach löschen kann. Und wenn dies anders als durch Tod akzidentell, zum Beispiel durch einen Zerebralschaden, geschieht, ist dem betroffenen Menschen in keinem Fall geholfen, denn er wird zu einer solchen spirituellen Dimension des Lebens nur schwer durchdringen können, da er mit dem Erlernen einfachster und alltäglichster Verhaltensweisen und Techniken, die wir normalerweise in der Kindheit lernen, Jahre seines Lebens wird hinbringen müssen.

Der von Krishnamurti gebrauchte Begriff der Entleerung ist also letzten Endes wohl irreführend und könnte zu dem Trugschluss führen, es genüge, die für die meisten von uns wohl betrübliche Vergangenheit und vor allem Kindheit einfach zu vergessen, zu verdrängen.

Einen Hinweis, dass die hier vorgelegte Interpretation der Lehre Krishnamurtis durchaus im Einklang steht mit der nicht immer klar formulierten Intention ihres Schöpfers, gibt ein Zitat aus Krishnamurti’s Notebook (1986), das K. von Juni 1961 bis Januar 1962 führte:

Vollkommene Aufmerksamkeit umfasst auch das Äusserliche und das Verborgene, die Vergangenheit und ihren Einfluss auf die Gegenwart, die in die Zukunft sich bewegt.

— J. Krishnamurti, Krishnamurti’s Notebook (1986), 105 (Übersetzung meine).

In den Commentaries on Living, 2nd Series, findet sich eine Stelle, die Träume angeht und die darauf hinweist, dass K. in diesem Punkt in Wahrheit nicht so dogmatisch war, wie es manchmal erschien in seinen Talks. Der Befrager, ein Erzieher, hat alles Interesse an seiner Arbeit verloren und wendet sich an K. um Rat:

Wenn die sie wirklich die Absicht haben, es herauszufinden, dann werden sie es herausfinden, aber nicht dadurch, dass sie die Frage immer wieder stellen, sondern dadurch, dass sie artiglich und konstant sind in ihrer Absicht. Dann werden sie feststellen, dass im Zustande des Wachbewusstseins eine wachsame Aufmerksamkeit herrscht, in der sie jedes kleinste Anzeichen dieses schlafenden Interesses wahrnehmen, und dass Träume auch eine Rolle dabei spielen.

— J. Krishnamurti, Commentaries on Living, Second Series (1986), 44, 45 (Übersetzung meine).

Dass eine psychologische Revolution unseres Bewusstseins notwendig ist, eine Transformation, ein neues Denken und vor allem ein tieferes Fühlen und Teilhaben sich entwickeln muss in der Menschheit, wird wohl jeder zugeben, der fähig ist, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und sich nicht durch den rettungslosen Konsum von Zeitungslügen und den alltäglichen politischen, religiösen oder kommerziellen Absurditäten etwas vormacht. Dazu gehört auch, den eigenen Lebenslügen entschieden entgegen zu treten. Es handelt sich hier um eine fundamentale Wahrheit, die man lediglich ganzheitlich intuitiv erfassen, aber nicht durch Wissen sich mechanisch aneignen kann.

Wahre Spiritualität besteht darin, es als seine Hauptaufgabe im Leben anzusehen, sich selbst zu erforschen, zu erkennen, zu entdecken und immer wieder aufs Neue zu integrieren.

Nur so kann ich mir einen Reim auf die zum Teil schwer verständliche Lehre Krishnamurtis machen — indem ich sie integriere in die intuitive Wahrheit, die nicht nur die hermetische Tradition bereits seit Jahrtausenden erkannt und aufgezeichnet hat, sondern die jeder, der sich wahrhaft und aufrichtig fragt, wer er eigentlich ist, für sich selbst entdecken kann.

Wer dies tut, für den ist das Leben wirklich, real und gegenwärtig, eine große Entdeckungsreise, eine passionierende Erfahrung und eine mit der Intensität sprühender Intelligenz bereicherte Zeit.

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